{"id":99,"date":"2011-10-15T09:29:04","date_gmt":"2011-10-15T08:29:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=99"},"modified":"2011-10-15T09:29:04","modified_gmt":"2011-10-15T08:29:04","slug":"abschied-von-der-metaphysik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=99","title":{"rendered":"Abschied von der Metaphysik"},"content":{"rendered":"<p>Die neue Version 0.47 kann nun heruntergeladen werden: <a rel=\"attachment wp-att-106\" href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/?attachment_id=106\">Myschkin_f0.47<\/a><br \/>\nEigentlich wollte ich das Kapitel \u00fcber den Abschied von der Metaphysik erst abschliessen, bevor ich eine Version 0.47 ver\u00f6ffentliche.<br \/>\nAllerdings wird das Kapitel nun umfangreicher als geplant und nach Fertigstellung werde ich diese einleitenden Philosophie-Kapitel zu einem eigenst\u00e4ndigen Exkurs zusammen fassen.<br \/>\nDas kann aber noch dauern. Vor allem den ziemlich grossm\u00e4uligen Schopenhauer zu lesen, f\u00e4llt mir schwer. Wenn seine Wichtigtuerei auch nur halbwegs der Bedeutung seiner Gedanken entsprechen w\u00fcrde, w\u00e4rs einfacher.<br \/>\nIm folgenden nun wie gewohnt das neue Kapitel:<br \/>\n8. Abschied von der Metaphysik<br \/>\nMetaphysik soll Wissen sein, das jeder Erfahrung voraus geht. Das einfach da ist. F\u00fcr Kant war unsere Vorstellung von Raum und Zeit ein solches \u201eVorwissen\u201c. Wir haben uns von einem solchen \u201eewigen\u201c Raum-Zeit-Verst\u00e4ndnis l\u00e4ngst verabschieden m\u00fcssen. Deswegen ist es angebracht, dass wir die Metaphysik endlich dahin verabschieden, wo schon andere vormals m\u00e4chtige Ideen ihren ewigen Frieden gefunden haben.<br \/>\n1 Vernunft und Verstand<br \/>\nEs ist wichtig an der Unterscheidung zwischen Vernunft und Verstand fest zu halten. Wobei unter Verstand im wesentlichen unser Denkapparat zu verstehen ist, der sich die Welt mittels Sprache und logischem Denken erschlie\u00dft.<br \/>\nDie Vernunft repr\u00e4sentiert dagegen die Gesamtheit unserer F\u00e4higkeiten uns die Welt in unser Inneres zu holen. Vernunft ist Tun meint Hegel in seiner Vorrede zur Ph\u00e4nomenologie, aber das stimmt nat\u00fcrlich so nur f\u00fcr Leute, die wie er auf dem Kopf gehen. Alle Anderen haben daf\u00fcr ihre F\u00fc\u00dfe und gebrauchen haupt\u00ads\u00e4chlich ihre H\u00e4nde zum Tun. Unsere mehr oder weniger entwickelte Vernunft ist der st\u00e4ndige Begleiter unseres Tuns.<br \/>\nD.h. unsere H\u00e4nde sind eben nicht \u201egeistlos\u201c, wie \u00fcberhaupt die Vorstellung eines getrennt \u00fcber den Wassern schwebenden Geistes verkennt, dass sich Denken, F\u00fchlen und Handeln nur in der Theorie auftrennen und vom K\u00f6rper l\u00f6sen lassen.<br \/>\nInsbesondere ist es falsch Erkenntnis nur in der Sprache zu verorten.<br \/>\nDie bekannte Sentenz: \u201eWovon man nicht reden kann, davon soll man schweigen !\u201c ist Unsinn.<br \/>\nEs passiert vieles in uns und mit uns, von dem wir auch wissen, von dem aber nur schwer oder prinzipiell gar nicht geredet werden kann.<br \/>\nEin achthundert Jahre altes Gedicht von Walther von der Vogelweide \u201eUnter der Linde\u201c handelt genau davon: Es erz\u00e4hlt uns, wie man von etwas redet, von dem man nicht reden kann  (zitiert nach Wikipedia):<br \/>\nUnder der linden<br \/>\nan der heide,<br \/>\nd\u00e2 unser zweier bette was,<br \/>\nd\u00e2 muget ir vinden<br \/>\nsch\u00f4ne beide<br \/>\ngebrochen bluomen unde gras.<br \/>\nVor dem walde in einem tal,<br \/>\ntandaradei,<br \/>\nsch\u00f4ne sanc diu nahtegal.<\/p>\n<p>Ich kam gegangen<br \/>\nzuo der ouwe,<br \/>\nd\u00f4 was m\u00een friedel komen \u00ea.<br \/>\nD\u00e2 wart ich enpfangen,<br \/>\nh\u00eare frouwe,<br \/>\ndaz ich bin s\u00e6lic iemer m\u00ea.<br \/>\nKuster mich? Wol t\u00fbsentstunt:<br \/>\ntandaradei,<br \/>\nseht, wie r\u00f4t mir ist der munt.<\/p>\n<p>D\u00f4 het er gemachet<br \/>\nals\u00f4 r\u00eeche<br \/>\nvon bluomen eine bettestat.<br \/>\nDes wirt noch gelachet<br \/>\ninnecl\u00eeche,<br \/>\nkumt iemen an daz selbe pfat.<br \/>\nB\u00ee den r\u00f4sen er wol mac,<br \/>\ntandaradei,<br \/>\nmerken, w\u00e2 mirz houbet lac.<\/p>\n<p>Daz er b\u00ee mir l\u00e6ge,<br \/>\nwessez iemen<br \/>\n(n\u00fb enwelle got!), s\u00f4 schamt ich mich.Wes er mit mir pfl\u00e6ge,<br \/>\nniemer niemen<br \/>\nbevinde daz, wan er und ich,<br \/>\nund ein kleinez vogell\u00een &#8211;<br \/>\ntandaradei,<br \/>\ndaz mac wol getriuwe s\u00een.<\/p>\n<p>\u201eWes er mit mir pfl\u00e6ge,\u201c dar\u00fcber will sie niemand etwas erz\u00e4hlen. Aber genau deswegen k\u00f6nnen wir alle es uns sehr gut vorstellen.<br \/>\nJede wortreiche Erkl\u00e4rung k\u00f6nnte die Sch\u00f6nheit dessen, wovon die Rede ist nur unzureichend wiedergeben.<br \/>\nGro\u00dfe Gef\u00fchle vertragen keine gro\u00dfen Worte. Trotzdem kann man von ihnen nicht schweigen. Wittgensteins Ratschlag w\u00fcrde die Dichter arbeitslos machen.<br \/>\nDabei brauchen wir die Dichter um uns von dem zu erz\u00e4hlen, wovon man nicht reden kann, aber wovon man auch nicht schweigen darf.<br \/>\nLeben hei\u00dft handeln, hei\u00dft etwas tun.<br \/>\nDieses Tun muss begleitet und vorausgeplant werden.<br \/>\nDazu ben\u00fctzen wir die Gesamtheit dessen, was wir als Vernunft bezeichnen.<br \/>\nEs reicht dabei nicht, nur mit dem Verstand voraus zu denken. Wir m\u00fcssen uns auch einf\u00fchlen k\u00f6nnen, in andere genauso, wie in neue Situationen.<br \/>\nWir m\u00fcssen blitzschnell, instinktiv reagieren oder langsam und sorgf\u00e4ltig nach langer \u00dcberlegung und entsprechender Beratung.<br \/>\nDabei stehen wir mitten in den Widerspr\u00fcchen des Lebens.<br \/>\nJa wir k\u00f6nnen sagen: Alles Leben ist mit sich selbst im Widerspruch.<br \/>\nIdentisch und gleichzeitig Nicht-Identisch zu sein ist sein Wesen.<br \/>\nKommt der Stoffwechsel mit dem Au\u00dfen zum Erliegen ist der Tod unvermeidbar.<br \/>\nUm zu leben und am Leben zu bleiben, bedient sich jeder Mensch auch seines Verstandes, wohl wissend, dass dies ein beschr\u00e4nkter Geselle ist.<br \/>\nBeschr\u00e4nkt schon dadurch, dass ihm die reiche weite Welt der Gef\u00fchle nur als Ahnung aufscheint und er oft r\u00e4tseln muss, was ihm sein Bauch denn sagen will.<br \/>\nBeschr\u00e4nkt aber auch dadurch, dass manche Denkoperationen ihre eigenen Gesetze haben und ihr Recht fordern. So gehorcht das logische Denken dem Satz von der Identit\u00e4t. Leben ist aber beides: Identisch und Nicht-Identisch, die Identit\u00e4t erh\u00e4lt sich indem sie sich st\u00fcckweise aufgibt.<br \/>\nLogisches Denken ist deswegen vom Leben und Lebendigen gereinigt.<br \/>\nWenn Hegel, aber in seiner Nachfolge z.B. auch Marx oder Dewey von der \u201eLogik der Sache\u201c reden, dann ist das falsch. Logik ist die Kunst des Folgerns.<br \/>\nJedes Folgern endet aber am Widerspruch.<br \/>\nNur wenn das Nicht-Identische fortw\u00e4hrend zum Identischen verdaut wird, kann das Folgern weitergehen.<br \/>\nIm Netz der Kausalit\u00e4ten sind die Identit\u00e4ten die Knotenpunkte und jede dominierende Nicht-Identit\u00e4t ein relativer Endpunkt, an dem die Kette gerissen ist.<br \/>\nWesentlich f\u00fcr den Unterschied zwischen \u201evern\u00fcnftig\u201c und \u201everst\u00e4ndig\u201c ist das Verh\u00e4ltnis zum Widerspruch.<br \/>\nLogisches Denken muss Widerspr\u00fcche eliminieren. Sie sind gewisserma\u00dfen Br\u00fcche in den kausalen Ketten (oder Risse im Kausal-Netz, durch das die Fische der Wahrheit davon schwimmen).<br \/>\nDialektisches Denken bewegt sich im Widerspruch und durch den Widerspruch.<br \/>\nWiderspr\u00fcche sind die Hot-spots an denen neue Ideen zur Oberfl\u00e4che dr\u00e4ngen.<br \/>\nAber nicht nur neue Ideen dr\u00e4ngen an die Oberfl\u00e4che, denn Widerspr\u00fcche durchziehen auch die Realit\u00e4t: Widerspr\u00fcche sind der Ort an dem das Leben pulsiert.<br \/>\nEs sind die Br\u00fcche in der Identit\u00e4t. Dort wo das Ich ins Nicht-Ich \u00fcbergeht ist der Widerspruch zu Hause. In zu beseitigen gel\u00e4nge nur, wenn ich so, wie ich bin, f\u00fcr immer eingefroren werden k\u00f6nnte und trotzdem am Leben bliebe.<br \/>\nJegliche Identit\u00e4t, gedacht als fortdauernd oder gar ewig, ist Illusion.<br \/>\nSich zu erhalten, in dem man sich jeden Tag erneuert und \u00e4ndert, ist der Widerspruch, der letzten Endes jede Form von Lebendigkeit begr\u00fcndet und durchzieht.<br \/>\nGeburt und Tod sind dabei die m\u00e4chtigsten und elementarsten Wahrheiten.<br \/>\nDa M\u00e4nner nicht geb\u00e4ren k\u00f6nnen, versuchen sie der eigenen Verg\u00e4nglichkeit durch den Rekurs auf \u201eewige Wahrheiten\u201c zu entfliehen.<br \/>\nEin leider viel zu fr\u00fch verstorbener Freund, Klaus Schwarz, selbst ein Philosoph, postulierte, dass jegliches Philosophieren in der Angst vor dem Tod seinen wirklichen Grund hat.<br \/>\nDie \u201eewigen Ideen\u201c sind der Ersatz f\u00fcr das nicht existierende \u201eewige Leben\u201c.<br \/>\nDas wirkliche ewige Leben, das durch den Zyklus von Geburt und Tod neuer Geburt und wieder Tod bestimmt ist, soll dagegen nur \u201eirdischer Schein\u201c sein.<br \/>\nDieses System \u201eewiger Wahrheiten\u201c und die Logik st\u00fctzen und st\u00e4rken sich von Geburt an gegenseitig, weil die \u201eewigen Wahrheiten\u201c der Logik eben so ewige Identit\u00e4ten liefern. So k\u00f6nnen beide zusammen den Anspruch erheben mit der Wahrheit identisch zu sein.<br \/>\nLogisches Denken geht auf die Ewigkeit, dialektisches Denken kennt nur den ewigen Prozess des Werdens und Vergehens.<br \/>\nDer Widerspruch zwischen dialektischem und logischem Denken bildet selbst einen Hot-spot.<br \/>\nDabei kann die Dialektik die wilden Ideen liefern, die dann mittels der Logik auf ihre Konsequenzen hin entwickelt werden m\u00fcssen und dadurch zu beweisen oder zu widerlegen sind.<br \/>\nDas erg\u00e4be ein viel fr\u00f6hlicheres und fruchtbareres Paar als die Verheiratung der Logik mit \u201eewigen Wahrheiten\u201c.<br \/>\nHegels gro\u00dfer Irrtum liegt dagegen darin, dass er eine \u201edialektische Logik\u201c postulierte. Das unterstellt eine Folgerichtigkeit, die dem Leben fremd ist, einer Folgerichtigkeit, die in dieser Eindeutigkeit weder der unbelebten noch gar der belebten Natur zukommt. Auch nach Hegel findet man immer wieder die Idee einer \u201edialektischen Logik\u201c zuletzt als \u201enegative Dialektik\u201c. Dieser Ansatz ist aber falsch.<br \/>\nDie Dialektik sprengt logische und kausale Ketten, sie begr\u00fcndet keine.<br \/>\n2 Das \u201eapriori\u201c-Problem<br \/>\nWenn wir etwas sehen und wissen sollen z.B.  \u201edies ist ein Haus\u201c ben\u00f6tigen wir die Idee des Hauses zuvor in unserem Kopf, sonst sehen wir kein Haus.<br \/>\nSowenig wir irgendein Haus sehen ohne die Idee des Hauses, sowenig sehen wir einen Baum ohne die Idee des Baums. Nat\u00fcrlich ist es Quatsch zu sagen der Baum ben\u00f6tige erst den Kopf eines Menschen um zu existieren, aber ohne die Baumidee existiert er nicht im Kopf.<br \/>\nDie Existenz einer Idee ist das apriori jeder Erkenntnis.<br \/>\nD.h. neue Erkenntnisse brauchen erstmal neue Ideen, sonst k\u00f6nnen sie gar nicht einsortiert werden.<br \/>\nDamit haben wir ein erstes \u201eapriori\u201c.<br \/>\nDieses Apriori ist allerdings nicht historisch das erste. Unser ganzer K\u00f6rper ist unser allererstes \u201eapriori\u201c.<br \/>\nDabei f\u00fchrt es in die Irre, wenn wir uns diesen unseren K\u00f6rper hierarchisch gegliedert vorstellen, bei dem dann \u00fcber allem der Verstand thront und die F\u00e4den zieht.<br \/>\nDiese falsche Vorstellung f\u00fchrt angesichts neuerer Ergebnisse der Hirnforschung zu sehr schr\u00e4gen Diskussionen. Wenn festgestellt wird, dass meine Hand bereits unterwegs sein kann, bevor mein Kopf ihr sagt: \u201eMach Dich auf den Weg!\u201c, dann \u00e4ndert das \u00fcberhaupt nichts daran, dass es meine Hand ist. Und deswegen ist und bleibt, was auch immer meine Hand tut, es meine Tat.<br \/>\nW\u00fcrde sich diese Hand zusammen mit ihrer Schwester um den Hals eines anderen Menschen legen und zudr\u00fccken, so w\u00e4re ich doch nicht dadurch vom Mordvorwurf suspendiert, dass ich nachweisen kann, dass mein Verstand meinen H\u00e4nden atemlos hinterher gerannt ist.<br \/>\nVielleicht wird aus Mord Totschlag, weil mein Verstand definitiv abwesend war, aber ich bleibe verantwortlich.<br \/>\nUnser Denkverm\u00f6gen ist kein separates, vom restlichen K\u00f6rper strikt getrenntes Gebilde, sondern eine unserer vielen F\u00e4higkeiten, die alle strikt an unsere K\u00f6rperlichkeit gebunden sind und mit ihr untergehen.<br \/>\nDieser unser K\u00f6rper ist deswegen unser allererstes \u201eapriori\u201c, weil keine Erfahrung uns auch nur das Geringste lehren kann, wenn Verstand und Gef\u00fchl, kurz wir, wie wir sind, nicht daf\u00fcr bereit sind.<br \/>\nEine wesentliche Voraussetzung und damit das 2. \u201eapriori\u201c daf\u00fcr, dass uns Erfahrung etwas lehrt, ist das Vorhandensein passender Ideen. Sie bilden die Schubladen in die wir unsere Erfahrungen packen.<br \/>\nUnd erst wenn eine Erfahrung uns nicht in Ruhe l\u00e4sst, aber auch mit noch so roher Gewalt nicht in eine bereit liegende Schublade passt, werden wir empf\u00e4nglich f\u00fcr neue Ideen und konstruieren neue Schubladen.<br \/>\nDabei k\u00f6nnen wir eines sicher wissen: Keine Schublade wird jemals immer passen. D.h. neue Ideen er\u00f6ffnen nicht nur neue Perspektiven, sie k\u00f6nnen auch alte verstellen. Das \u201eLicht der Aufkl\u00e4rung\u201c kann auch blenden und verblenden.<br \/>\nDie Logik steht zwischen K\u00f6rperlichkeit und Denkidee:<br \/>\nEinerseits ist logisches Denken so primitiv und technisch einfach zu installieren, dass vermutlich bereits der Fadenwurm ein veritabler Logiker ist. Er ist sich dessen aber nicht bewusst. D.h. unser K\u00f6rper ist bereits ein versierter Logiker. Und gerade jene Abl\u00e4ufe bei uns, die quasi automatisch ablaufen, werden vermutlich \u00fcber eine fest verdrahtete oder manchmal auch mehr oder weniger m\u00fchsam erlernte interne Logik gesteuert.<br \/>\nAndererseits entsteht Logik als Denkkonzept erst mit der eleatischen Philosophie. Das Problematische an dieser ganzen Richtung, die auch heute noch den philosophischen Diskurs zu beherrschen sucht, ist vor allem der \u00dcberlegenheitsanspruch:<br \/>\nDer Kopf herrscht \u00fcber den Bauch, wie der Herr \u00fcber den Knecht und unter beiden ist die Magd der Gef\u00fchle beiden gef\u00fcgig.<br \/>\nDas Absurde an dieser Philosophie besteht darin, dass ausgerechnet dem primitivsten Teil unseres Denkapparats die h\u00f6chste Wertsch\u00e4tzung entgegen gebracht wird.<br \/>\nWir haben es somit mit mindestens 3 \u201eAprioris\u201c zu tun, die jeder Erfahrung vorausgehen:<br \/>\n1. Unserem K\u00f6rper, der jede Erfahrung filtert und bewertet<br \/>\n2. Den in unserer Kultur vorgefundenen und von uns verinnerlichten Ideen, die uns den Ordnungsrahmen, aber auch einen weiteren Filter liefern, in den wir unsere Erfahrungen einsortieren k\u00f6nnen.<br \/>\n3. Der Logik, als einem wesentlichen Werkzeug des Denkens. Wobei Logik in zweierlei Form unser Denken begleitet:<br \/>\nAls k\u00f6rperliche Struktur, die es uns \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht Sinneseindr\u00fccke in verschiedene Arten von innerer Repr\u00e4sentation zu \u00fcberf\u00fchren und als Idee in unserem Kopf, mit deren Hilfe wir die Welt ordnen.<br \/>\nIdeen ordnen nicht nur das, was wir erfahren, sie k\u00f6nnen auch so stark sein, dass sie verhindern, dass wir etwas erfahren. Sie formulieren gewisserma\u00dfen das Vor-Urteil, das unser Denken und unser Urteilen im voraus pr\u00e4gt. Das gilt auch und in ganz besonderem Masse f\u00fcr die Idee der Logik.<br \/>\nVor diesem Hintergrund kann Philosophie nur dann Sinn machen, wenn sie sich mit der Fragw\u00fcrdigkeit bestimmter Leitideen befasst.<br \/>\nDie zentrale Leitidee, mit deren Fragw\u00fcrdigkeit wir uns befassen m\u00fcssen, ist die Logik.<br \/>\nEine Philosophie, die selbst heute noch, angesichts von Logik als industriellem Massenprodukt, nur der Logik huldigt, ist keine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Version 0.47 kann nun heruntergeladen werden: Myschkin_f0.47 Eigentlich wollte ich das Kapitel \u00fcber den Abschied von der Metaphysik erst abschliessen, bevor ich eine Version 0.47 ver\u00f6ffentliche. 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