{"id":305,"date":"2014-10-29T10:52:32","date_gmt":"2014-10-29T09:52:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=305"},"modified":"2014-10-29T18:22:56","modified_gmt":"2014-10-29T17:22:56","slug":"das-problem-mit-der-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=305","title":{"rendered":"Das Problem mit der Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Die n\u00e4chste Version 0.63 befasst sich weiter mit der &#8222;Deutschen Ideologie&#8220;<br \/>\nEs gibt jetzt immer verschiedene Versionen in PDF,EBUP (normaler Reader) und MOBI bzw. azw3 (Kindle)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Myschkin_F63.pdf\">Myschkin_F63<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Wir-Myschkins-Version-0.63-Walter-Altvater.epub_.zip\">Wir Myschkins &#8211; Version 0.63 &#8211; Walter Altvater.epub<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Wir-Myschkins-Version-0.63-Walter-Altvater.mobi_.zip\">Wir Myschkins &#8211; Version 0.63 &#8211; Walter Altvater.mobi<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Wir-Myschkins-Version-0.63-Walter-Altvater.azw3_.zip\">Wir Myschkins &#8211; Version 0.63 &#8211; Walter Altvater.azw3<\/a><\/p>\n<p>Ein Teil des neuen Textes:<\/p>\n<p><strong>Das Problem mit der Gewalt<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas erste Dekret der Kommune war daher die Unterdr\u00fcckung des stehenden Heeres und seine Ersetzung durch das bewaffnete Volk.\u201c<br \/>\nSeit wir Menschen wurden, haben wir ein Problem mit der Gewalt.<br \/>\nWir haben dies deswegen, weil das Menschwerdungsprogramm eben zuallererst bedeutet, dass an die Stelle von Instrinktsteuerung Kultur tritt.<br \/>\nWir schaffen diese Kultur und der wesentlichste Bestandteil jeder Kultur ist die Frage, wie wir miteinander umgehen, wie wir Streit, den wir immer haben werden, unterschiedliche Interessen und Konflikte l\u00f6sen.<br \/>\nDarauf haben wir im Laufe unserer bisherigen Geschichte nicht eine einzige Antwort gefunden, sondern ziemlich viele und nicht wenige davon beruhten auf dem Vorrecht des St\u00e4rkeren.<br \/>\nEs gab aber auch von Anfang an andere Antworten, Antworten die auf Liebe, Achtung und Zuneigung beruhen.<br \/>\nGerade solche Gesellschaften haben gro\u00dfe kulturelle Leistungen vollbracht, Tiere und Pflanzen gez\u00e4hmt und damit fr\u00fche Wohlstandsgesellschaften geschaffen.<br \/>\nDie Gestalt der Frau Holle alias Freia alias Venus erinnert noch an dieses verlorene Paradies.<br \/>\nDoch dieses Paradies war nicht von Dauer, weil aus J\u00e4gergesellschaften Kriegergesellschaften wurden und weil dies der Anfang war, jene entscheidende Arbeitsteilung aus der letzlich die Klassengesellschaften entstanden.<br \/>\nDass die Bourgeoisie alles durch bare Zahlung ersetzt hat, wie Marx und Engels im Kommunistischen Manifest erkl\u00e4ren, war nicht immer ein Verlust f\u00fcr die Menschheit.<br \/>\nDass in Florenz aus dem Krieger, dem Ritter, ein Condottiere wurde unterwarf die Herrschaft der Krieger der Herrschaft des Geldes.<br \/>\nUnd so lernten die Schweizer Bauern, nach dem sie sich oft genug bei fremden Herren f\u00fcr Kriegsdienst verdingen mussten, schlie\u00dfllich auf eigene Rechnung k\u00e4mpfen und er\u00f6ffneten damit ein neues Zeitalter der Volksherrschaft.<br \/>\nDiesem Schweizer Vorbild verdankt sich auch die Idee der Milizen und der Abschaffung der stehenden Heere. Einer Idee, die nicht nur die Kommune hatte, sondern der auch Engels bis an sein Lebensende treu geblieben ist.<br \/>\nLetzten Endes muss es aber um die Abschaffung und nicht um die Demokratisierung des Krieges gehen. Dass jeder ein Gewehr im Schrank hat, macht die Welt nicht sicherer. Und die Unf\u00e4higkeit der Bundeswehr und der mit ihr verbandelten R\u00fcstungsindustrie eine bezahlbare Drohne (bezahlbar gemessen am Staatsetat, nicht an unserem Geldbeutel!) zu bauen, \u00e4ndert nichts daran, dass die Computerzeitschriften inzwischen voll sind mit Bauanleitungen f\u00fcr Drohnen zum selber bauen. Und nat\u00fcrlich lassen sich auch solche selbstgebastelte Drohnen als Waffen einsetzen.<br \/>\nEs geht somit mehr darum die Waffen ein zu sammeln als sie allgemein zug\u00e4nglich zu machen. Dabei existiert das Problem des \u201edual use\u201c in jedem Drogerie-Markt, so dass wir politisch und gegebenenfalls mit Polizeigewalt verhindern m\u00fcssen, dass jeder Idiot einen Privatkrieg mit selbstgebastelten Bomben beginnen kann.<br \/>\nNat\u00fcrlich lassen sich Marx und Engels bei ihrer Forderung nach Abschaffung der stehenden Heere auch von der Erfahrung leiten, dass die bewaffnete Gewalt immer ein Instrument der Ausbeutung und der Unterdr\u00fcckung war und ist.<br \/>\nAllerdings bedroht uns aktuell die privatisierte Gewalt von Verbrechern, vor allem von organisierten Verbrechen mindestens so sehr wie ein Mi\u00dfbrauch staatlicher Gewalt.<br \/>\nVor beidem m\u00fcssen wir uns sch\u00fctzen.<br \/>\nDabei kommt der \u00c4chtung der Gewalt sowohl in innerstaatlichen als auch in zwischenstaatlichen Konflikten eine Schl\u00fcsselrolle zu.<br \/>\nJedes, auch das repressivste, System braucht ein Minimum an Akzeptanz sowohl bei der eigenen Bev\u00f6lkerung als auch beim Rest der Welt.<br \/>\nAuf solche Regimes wirtschaftlichen und moralischen Druck aus zu \u00fcben ist in aller Regel die bessere Strategie. Die Aussage, dass Sanktionen nichts bewirken, ist bisher durch mehrere Beispiele eindrucksvoll widerlegt. Man braucht halt Zeit und Geduld.<br \/>\nF\u00fcr Gewaltverbrecher und gewisse Formen quasi-staatlichen Terrors braucht es dagegen einen effektiven, repressiven Gewaltapparat, der am besten \u00fcberstaatlich organisiert und legitimiert w\u00e4re. Nat\u00fcrlich nicht in dem Sinn, dass man einen einheitlichen zentralisierten Apparat schafft, der dann selbst wieder eine Gefahr w\u00e4re, sondern in dem Sinn, dass man sich wirksam zur Kooperation verpflichtet.<br \/>\nIn diesem Bereich hilft schon deshalb kein wirtschaftlicher und moralischer Druck, weil sich die Akteure, die sich selbst bewu\u00dft ausserhalb jeglicher zivilen Minimalstandards bewegen, auch durch die Berufung auf solche Standards nicht zu erreichen sind.<br \/>\nZugleich muss uns immer klar sein, dass auch von den staatlichen Repressions-apparaten immer eine latente Gefahr ausgeht, die nur durch strikte demokratische Kontrolle wirksam einged\u00e4mmt werden kann.<br \/>\nDabei wird sich Milit\u00e4r zu einer Art Sonderpolizei wandeln m\u00fcssen, unterworfen dem Gewaltmonopol der UN.<br \/>\nDirekt nach dem denkw\u00fcrdigen M\u00e4rz 1848 verfasste Freiligrath sein \u201eTrotz alledem\u201c:<br \/>\n\u201eDas war ne heisse M\u00e4rzenzeit,<br \/>\nnun aber da es Bl\u00fcten schneit<br \/>\nnun ist es kalt<br \/>\nTrotz alledem \u201e<br \/>\nIn diesem Lied heisst es auch: \u201eWir werden unsre B\u00fcchsen los, Soldatenwild trotzalledem.\u201c<br \/>\nDas macht deutlich, dass die Forderung nach Abschaffung der stehenden Heere und ihrem Ersatz durch ein Milizsystem den klaren historischen Hintergrund hat, dass die stehenden Heere auch und vor allem Instrumente zur Unterdr\u00fcckung des Volkswillens waren. Und wenn wir aktuell nach Thailand oder \u00c4gypten schauen, dann ist es dort genauso. Das Volk w\u00e4hlt falsch und das Milit\u00e4r macht sich zum obersten Richter und \u201ekorrigiert\u201c den Volkswillen.<br \/>\nDaf\u00fcr, dass dies nicht passieren kann, wollten Freiligrath, Marx und die Pariser Kommunarden ihre \u201eB\u00fcchsen\u201c.<br \/>\nDie Frage ist allerdings: Helfen die wirklich?<br \/>\nWenn man \u00fcber L\u00e4nder diskutiert, in dieses Prinzip der allgemeinen Bewaffnung der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung verwirklicht ist, dann fallen mir sofort 2 ein:<br \/>\nDie Schweiz und die USA.<br \/>\nJeder m\u00e4nnliche Schweizer hat sein Gewehr im Schrank und f\u00fcr den (weissen) Durchschnittsamerikaner (bzw. auch die -amerikanerin) ist das Recht eine Waffe zu tragen so was wie der Kern seiner\/ihrer Identit\u00e4t.<br \/>\nTrotzdem k\u00f6nnten beide L\u00e4nder in Bezug auf die Gewalt nicht unterschiedlicher sein. In der Schweiz, diesem gleichermassen merkw\u00fcrdigen, wie interessanten Land finden alle paar Wochen eine oder mehrere Volksabstimmungen statt.<br \/>\nDas Volk, der Souver\u00e4n, trifft fortw\u00e4hrend Entscheidungen. Wie es sich f\u00fcr das richtige Leben geh\u00f6rt, sind diese Entscheidungen nicht immer klug, aber auch nicht immer dumm. Und manchmal nimmt sich der Souver\u00e4n auch das selbstverst\u00e4ndliche Recht heraus, eine ihm vorgelegte Frage als unwichtig zu ignorieren.<br \/>\nDie Schweizer sch\u00e4tzen und lieben ihre Ordnung, an der sie gleichzeitig st\u00e4ndig Ver\u00e4nderungen vornehmen. Wer etwas \u00e4ndern will, startet eine Kampagne und versucht Mehrheiten zu gewinnen. Das ist der Weg, auf dem in der Schweiz sogar Revolutionen m\u00f6glich sind. Einen anderen Weg akzeptieren die Schweizer nicht.<br \/>\nDie amerikanische Ordnung beruht gr\u00f6\u00dftenteils auf dem Gun-man, der die Verbrecher erschiesst und Schwarze und Roth\u00e4ute einsch\u00fcchert oder gegebenfalls auch erschiesst.<br \/>\nDeswegen wurde diese Ordnung auch von niemand vorher und nachher so grundlegend in Frage gestellt, wie von Rosa Parks und Martin Luther King.<br \/>\nDie amerikanischen B\u00fcrgerrechtler haben sich dieser Gewaltkultur verweigert und stattdessen ihre selbstverst\u00e4ndlichen demokratischen B\u00fcrgerrechte eingefordert.<br \/>\nSie sind einfach sitzen geblieben im f\u00fcr sie verbotenen Bus.<br \/>\nWie Wilhelm Tell sich geweigert hat einen Hut auf der Stange zu gr\u00fc\u00dfen, haben sie sich geweigert \u201eGesetze\u201c zu befolgen, die den Geist der Ungerechtigkeit und des Rassismus atmen.<br \/>\nEldrige Cleaver und seine Black Panther haben sich tragisch get\u00e4uscht, als sie meinten, dass auch Schwarze sich bewaffnen sollten. Sie haben sich damit einer Gewalt-Ordnung angepasst und ihre Pr\u00e4missen akzeptiert, denen sich Martin Luther King und seine MitstreiterInnen konsequent verweigert haben.<br \/>\nEine friedliche, menschliche Ordnung ist aber nur m\u00f6glich und vorstellbar, wenn Gewalt kein legitimes Mittel der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mehr ist.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist gewaltfreier Widerstand nicht die Antwort auf alle Fragen. Damit er greift und erfolgreich ist, ist ein Minimum an Zivilisiertheit n\u00f6tig.<br \/>\nIn einer Gesellschaft, in der ein Menschenleben nicht z\u00e4hlt, ist es sehr schwer mit einer Strategie Erfolg zu haben, die auf unsere menschliche Empathief\u00e4higkeit setzt.<br \/>\nIn diesem Fall sind wir wieder auf die ausserordentlich problematische Figur des \u201eguten Kriegers\u201c angewiesen.<br \/>\nDamit aus diesem Kriegertum nicht immer wieder Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung entstehen, brauchen wir ein eindeutiges Gewaltmonopol, auch zwischenstaatlich in Form von internationalen Organisationen. Und wir brauchen eine sehr wache, sehr kritische \u00f6ffentliche Kontrolle unserer \u201eKrieger\u201c. Ihre Mission ist strikt an die Unterdr\u00fcckung von Gewalt gebunden. Sie darf keine Legitimation f\u00fcr die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung noch so hehrer sonstiger Ziele sein.<br \/>\nEin bekannter Satz behauptet: \u201eKrieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.\u201c Bevor dieser Satz gesagt werden konnte, war Gewalt schon lange zum bevorzugten Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen geworden.<br \/>\nEine gewaltfreie Welt kann nur entstehen, wenn Gewalt als Mittel zur Durchsetzung von Interessen von der Menschheit nicht mehr akzeptiert wird und Krieg als politisches Versagen verstanden wird.<br \/>\nSo sympathisch mir die Forderung nach Abschaffung aller stehenden Heere auch ist, dass jeder stattdessen ein Gewehr im Schrank hat, scheint mir definitiv nicht der richtige Weg zu einer gewaltfreien Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die n\u00e4chste Version 0.63 befasst sich weiter mit der &#8222;Deutschen Ideologie&#8220; Es gibt jetzt immer verschiedene Versionen in PDF,EBUP (normaler Reader) und MOBI bzw. azw3 (Kindle) Myschkin_F63 Wir Myschkins &#8211; Version 0.63 &#8211; Walter Altvater.epub Wir Myschkins &#8211; Version 0.63 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=305\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,7,14,15],"tags":[],"class_list":["post-305","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dostojewski","category-dostojewskij","category-epilepsie","category-philosophie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=305"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/305\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":311,"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/305\/revisions\/311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}