{"id":299,"date":"2014-05-23T10:57:39","date_gmt":"2014-05-23T09:57:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=299"},"modified":"2014-05-23T11:00:18","modified_gmt":"2014-05-23T10:00:18","slug":"von-der-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=299","title":{"rendered":"Von der Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Diesmal geht es, im Zusammenhang mit der &#8222;Deutschen Ideologie&#8220; um das Problem der Identit\u00e4t.<br \/>\nErstmals ver\u00f6ffentliche ich neben PDF und EBUP auch eine MOBI Version.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Myschkin_F62.pdf\">Myschkin_F62.PDF<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Myschkin_F62.epub_.zip\">Myschkin_F62.epub<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Myschkins_F62.mobi_.zip\">Myschkins_F62.mobi<\/a><\/p>\n<p><strong>Von der Identit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIdentit\u00e4t bedeutet vielerlei.\u201c<br \/>\n[Aristoteles: Metaphysik. Philosophie von Platon bis Nietzsche, S. 4443  (vgl. Arist.-Metaph., S. 191) http:\/\/www.digitale-bibliothek.de\/band2.htm ]<br \/>\nDer Affe, der in den Spiegel schaut, den roten Fleck am Kopf entdeckt und bemerkt \u201edas bin ja ich !\u201c  auch wenn er es nicht sagen kann, hat bereits ein Grundverst\u00e4ndnis seiner eigenen Identit\u00e4t.<br \/>\nAber nicht nur das: Sofern er Orange von Bananen und Ananas unterscheiden kann, &#8211; er w\u00e4re lebensuntauglich wenn er das nicht k\u00f6nnte, &#8211; bildet er Identit\u00e4ten.<br \/>\nD.h. Identit\u00e4t bedeutet nicht nur vielerlei, sondern die F\u00e4higkeit etwas als identisch zu erfassen und ist elementarer Bestandteil jeder Erkenntnis.<br \/>\nWir erkennen indem wir identifizieren.<br \/>\nUm so wichtiger, dass wir dieses Vielerlei etwas sortieren.<\/p>\n<p>\u00dcber die Voraussetzungen der Logik<br \/>\n\u201eDas zweite Problem<br \/>\nEine weitere Streitfrage ist die \u00fcber die Prinzipien des Beweisens. Geh\u00f6ren sie einer Wissenschaft oder mehreren an? Unter den Prinzipien des Beweisens verstehe ich die gemeinsamen Grunds\u00e4tze, auf Grund deren man \u00fcberall einen Beweis f\u00fchrt, z.B. den Grundsatz, da\u00df man notwendig jegliches entweder bejahen oder verneinen mu\u00df, und da\u00df es unm\u00f6glich ist, da\u00df eines und dasselbe zugleich sei und nicht sei, und was es etwa sonst an derlei obersten S\u00e4tzen geben m\u00f6chte. Die Frage ist, ob alles dies einer und derselben Wissenschaft wie der Wissenschaft von der reinen Wesenheit angeh\u00f6rt, oder einer anderen, und wenn nicht einer und derselben, welche von beiden man als die Wissenschaft, die wir im Auge haben, anzusprechen hat.\u201c<br \/>\n[Aristoteles: Metaphysik. Philosophie von Platon bis Nietzsche, S. 4160-4161 (vgl. Arist.-Metaph., S. 40-41) http:\/\/www.digitale-bibliothek.de\/band2.htm ] <\/p>\n<p>Aristoteles spricht hier von 2 Dingen: Einmal geht es darum, ob Beweismethoden Gegenstand einer speziellen Wissenschaft sind oder nicht, das interessiert uns hier nicht weiter, zum anderen liefert er aber auch ein Beispiel f\u00fcr die \u201ePrinzipien des Beweisens\u201c:<br \/>\n\u201e den Grundsatz, da\u00df man notwendig jegliches entweder bejahen oder verneinen mu\u00df, und da\u00df es unm\u00f6glich ist, da\u00df eines und dasselbe zugleich sei und nicht sei, und was es etwa sonst an derlei obersten S\u00e4tzen geben m\u00f6chte.\u201c<br \/>\nDieser Grundsatz ist sehr bekannt und zwar unter dem Namen \u201eSatz von der Identit\u00e4t\u201c. Jegliches logisch-rationale Denke leidet sich von diesem Grundsatz ab.<br \/>\nEtwas tautologisch leitet man aus dem gleichen Grundsatz den \u201eSatz vom ausgeschlossenen Widerspruch\u201c her.<br \/>\nBeides bedeutet eigentlich dasselbe: A=A und A#nicht-A.<br \/>\nF\u00fcr Aristoteles ist dieser Satz die Voraussetzung jeglicher Beweisbarkeit.<br \/>\nMan muss die G\u00fcltigkeit dieses Satzes unbedingt unterstellen, wenn man irgendwas aus irgendwas herleiten will.<br \/>\nHeutzutage benutzen wir Logik nicht nur zum Beweisen, z.B. in der Mathematik, der Juristerei oder beim Krimi, heutzutage ist die Logik in elektronischen Schaltkreisen viel wichtiger als jedes logisch-rationale Beweisen-Wollen.<br \/>\nIn der Schaltalgebra gibt es immer nur 2 klar definierte Zustand: Ein\/Aus, Null\/Eins oder positive\/negative Spannung. Diese Zust\u00e4nde m\u00fcssen klar definiert sein und das kontrollierte Erreichen dieser Zust\u00e4nde muss garantiert sein. Nat\u00fcrlich ergeben sich w\u00e4hrend des Schaltens viele, verschiedene Zwischenzust\u00e4nde. Deswegen ist so ein Baustein getaktet, d.h. er hat eine Uhr, die die Zeit in Quanten z\u00e4hlt. Jeder Zeittakt muss dabei so lange dauern, dass der Schaltvorgang abgeschlossen ist und damit alle Zwischenst\u00e4nde aufgegeben wurden.<br \/>\nVerharrt ein solcher Schalter zwischen 0 und 1 oder zwischen 1 und 0 produziert die Schaltung einen Fehler.<br \/>\nD.h. es gilt unbedingt der \u201eGrundsatz, da\u00df man notwendig jegliches entweder bejahen oder verneinen mu\u00df\u201c.<br \/>\nWir kennen genau 2 identit\u00e4re Zust\u00e4nde, die durch bestimmte physikalische Parameter repr\u00e4sentiert werden (z.B. -5 Volt und + 5 Volt). Dabei kommt es nicht auf die genaue technische Realisierung an, sondern darauf, dass diese Zust\u00e4nde unter definierten Bedingungen sicher erreicht werden. Unsere 2 \u201eIdentit\u00e4ten\u201c m\u00fcssen klar unterschieden sein und wir m\u00fcssen sicher sein k\u00f6nnen, dass alle anderen m\u00f6glichen Zust\u00e4nde immer dann, wenn wir z.B. den Wert einer NAND- oder NOR-Schaltung ablesen, sicher verlassen wurden. Ohne dass die Schalter in einem \u201eidentischen\u201c Zustand gebracht werden, funktioniert keine Logik. Ein Schalter, der \u201eh\u00e4ngt\u201c, d.h. nicht richtig schaltet, produziert unvorhergesehene Ergebnisse.<br \/>\nUmgekehrt: Nur dadurch, dass 0 und 1 als Identit\u00e4ten garantiert sind, kann man sich darauf verlassen, dass z.B. ein Addierwerk, wenn es 2 Zahlen addiert am Ende bei gleichen Zahlen auch das gleiche Ergebnis produziert.<br \/>\nDaraus darf man nun nicht den falschen Schluss ziehen, als sei Identit\u00e4t nichts weiter als eine Konvention, die genauso gut gelten als auch nicht gelten kann.<br \/>\nWir m\u00fcssen von 2 Gegebenheiten ausgehen:<br \/>\n1. Erkennen ist kein Selbstzweck. Wir versuchen unsere Umwelt so gut als m\u00f6glich zu verstehen, ihre Wahrheit zu erkennen, weil wir von und mit ihr leben.<br \/>\n2. Erkennen, Informationsverarbeitung, ist ein hochkomplexer Prozess, der seine Eigengesetzlichkeiten hat. Deswegen m\u00fcssen wir nicht nur unsere Umwelt verstehen, wir m\u00fcssen auch uns selbst verstehen und wie wir denken.<br \/>\nUnd vor allem m\u00fcssen wir verstehen, dass beides in einer Wechselwirkung miteinander verschr\u00e4nkt ist:<br \/>\n\u201eDer Hauptmangel alles bisherigen Materialismus &#8211; den Feuerbachschen mit eingerechnet &#8211; ist, da\u00df der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefa\u00dft wird; nicht aber als menschliche sinnliche T\u00e4tigkeit, Praxis, nicht subjektiv. Daher geschah es, da\u00df die t\u00e4tige Seite, im Gegensatz zum Materialismus, vom Idealismus entwickelt wurde \u2013 aber nur abstrakt, da der Idealismus nat\u00fcrlich die wirkliche, sinnliche T\u00e4tigkeit als solche nicht kennt. Feuerbach will sinnliche, von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedene Objekte; aber er fa\u00dft die menschliche T\u00e4tigkeit selbst nicht als gegenst\u00e4ndliche T\u00e4tigkeit. Er betrachtet daher im \u00bbWesen des Christenthums\u00ab nur das theoretische Verhalten als das echt menschliche, w\u00e4hrend die Praxis nur in ihrer schmutzig-j\u00fcdischen Erscheinungsform gefa\u00dft und fixiert wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der \u00bbrevolution\u00e4ren\u00ab, der \u00bbpraktisch-kritischen\u00ab T\u00e4tigkeit.\u201c<br \/>\n[Marx: Thesen \u00fcber Feuerbach. Marx\/Engels: Ausgew\u00e4hlte Werke, S. 829  (vgl. MEW Bd. 3, S. 533) http:\/\/www.digitale-bibliothek.de\/band11.htm ]<br \/>\n\u201eWahrheit\u201c ist kein abtraktes Prinzip. Es geht bei unserem Erkennen immer um die Wirklichkeit als von uns als Einzelne, als Gruppe oder als Menschheit insgesamt gestalt- und ver\u00e4nderbare Umwelt.<br \/>\nDiesem Ziel dient letztlich jedes Erkennen. Nat\u00fcrlich spielen wir auch. Dann verlassen wir die Zweckbindung und probieren einfach nur, was passiert. Dann werden wir wieder Kinder. Und wieder Kind sein zu d\u00fcrfen ist f\u00fcr uns gro\u00dfes Gl\u00fcck.<br \/>\nAber am Ende jedes Spiels wei\u00df jedes Kind, wissen wir, ein bisschen mehr \u00fcber diese Welt und werden damit freier der Welt von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.<br \/>\nDie Wahrheit jeglicher Erkenntnis erweist sich in ihrer praktischen Anwendung. Diese Anwendung kann spielerisch erfolgen, d.h. so, dass wir bestimmte Grenzen, jenseits derer wir oder andere Schaden nehmen k\u00f6nnten, respektieren oder sie kann Ernst sein und gef\u00e4hrlich wird es, wenn sie zum blutigen Ernst wird.<br \/>\nAber ohne praktische Erprobung existiert keine Wahrheit.<br \/>\nLogik erlaubt uns nun in einem begrenzten Rahmen auf Praxis zu verzichten, in dem wir aus unserer bisherigen Praxis heraus Modelle entwickeln, Maschinen konstruieren, die Vorhersagen \u00fcber die Zukunft erlauben.<br \/>\n\u201eWenn Du das tust, wird jenes passieren !\u201c<br \/>\nLogik hat aber Grenzen. Logisches Denken ben\u00f6tigt die Identit\u00e4t.<br \/>\nIch bin aus der Pfalz und somit Deutscher. Wenn Napoleon nicht an der Beresina und bei Leipzig Schlachten verloren h\u00e4tte, w\u00e4re ich genauso selbstverst\u00e4ndlich Franzose.<br \/>\nEine der \u00e4ltesten Pf\u00e4lzer St\u00e4dte ist Weissenburg (Wissembourg).<br \/>\nSie blieb auch nach 1814 franz\u00f6sisch und somit sind alle Weissenburger Franzosen.<br \/>\nOb ich Deutscher oder Franzose bin ist einerseits Zufall, hat aber andererseits viele praktische Konsequenzen, bei der Sprache angefangen.<br \/>\nObwohl mir immer jene damals 80j\u00e4hrige Els\u00e4sserin in Erinnerung bleiben wird, die sich Ende der Siebziger unserer Demonstration gegen Berufsverbote anschloss, mir dabei ihre sehr kritische Sicht \u00fcber den \u201eSchwoab\u201c Filbinger und die Nazis vermittelte, um mir am Ende zu erkl\u00e4ren, als die Redner franz\u00f6sische sprachen, dass sie, die Els\u00e4sserin und franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerin, kein Franz\u00f6sisch verstand. Sie war schlie\u00dflich zur \u201eKaiserzeit\u201c in die Schule gegangen und damals war es verboten in der Schule franz\u00f6sisch zu sprechen.<br \/>\nEs ist manchmal so eine Sache mit der Identit\u00e4t.<br \/>\nAber wie sollte jene Frau \u00fcberhaupt Staatsb\u00fcrgerin sein, w\u00e4hlen d\u00fcrfen, wenn sie nicht klar und eindeutig die franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerschaft besitzt.<br \/>\nNationalistische Forscher beider Seiten nach der \u201ewahren Identit\u00e4t\u201c h\u00e4tten die ihr sicher abgesprochen.<br \/>\nDarauf kann man nur antworten: Die wahre staatsb\u00fcrgerlich Identit\u00e4t ist immer die, die im Pass steht.<br \/>\nDie Behauptung hinter der eh&#8216; schon auf allen Ebenen schwierigen, aber notwendigen Identit\u00e4tsbestimmung, g\u00e4be es noch ein \u201eEigentliches\u201c mystifiziert das Problem nur, statt zu seiner L\u00f6sung bei zu tragen.<br \/>\nWir m\u00fcssen etwas als identisch setzen, damit wir aus A=B und B=C A=C schlie\u00dfen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs leuchtet unmittelbar ein, dass wenn A in seinem A-Sein zweifelhaft ist, aus A \u00fcberhaupt nichts folgen kann.<br \/>\nWer \u201estaatenlos\u201c ist, dem wurde amtlich jegliche staatsb\u00fcrgerliche Identit\u00e4t abgesprochen und deswegen darf er auch nirgends w\u00e4hlen.<br \/>\nEr ist nirgends \u201edaheim\u201c, auch wenn er, wie einer meiner fr\u00fcheren Bekannten das breiteste \u201eMannermerisch\u201c spricht und zeit seines Lebens nie aus Mannheim heraus gekommen ist.<br \/>\nDass man heute 2 Staatsb\u00fcrgerschaften haben kann, bedeutet nur, dass man manchmal z.B. Franzose und manchmal Deutscher ist, es bedeutet nie, dass man beides gleichzeitig ist.<br \/>\nWir brauchen also die Logik um nicht jede Erfahrung t\u00e4glich von neuem machen zu m\u00fcssen und die Logik ben\u00f6tigt Gewissheit \u00fcber die zu Grunde liegenden Identit\u00e4ten, weil anders gar keine Schl\u00fcsse gezogen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nAus der Notwendigkeit Identit\u00e4ten zu bilden folgt aber keineswegs, dass es irgendwas auf dieser Welt g\u00e4be, das nur unter eine Identit\u00e4t subsummiert werden kann und dessen \u201eeigentliches\u201c Wesen durch eine solche Identit\u00e4t bestimmt w\u00e4re.<br \/>\nIm Gegenteil: Wir sind nur, wir leben nur, insofern wir identisch und nicht-identisch zu gleicher Zeit sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesmal geht es, im Zusammenhang mit der &#8222;Deutschen Ideologie&#8220; um das Problem der Identit\u00e4t. Erstmals ver\u00f6ffentliche ich neben PDF und EBUP auch eine MOBI Version. 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