{"id":262,"date":"2013-05-19T13:48:03","date_gmt":"2013-05-19T12:48:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=262"},"modified":"2013-05-19T18:20:24","modified_gmt":"2013-05-19T17:20:24","slug":"ein-bedauerlicher-zwischenfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=262","title":{"rendered":"\u201eEin bedauerlicher Zwischenfall\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die n\u00e4chste Version ist fertig. Aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden hat es gedauert, aber hier ist die Version F 0.60<a href='http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Myschkin_F60.pdf'>Myschkin_F60<\/a><br \/>\nDie EBUP-Version folgt in den n\u00e4chsten Tagen.<\/p>\n<p>\u201eEin bedauerlicher Zwischenfall\u201c<br \/>\nIm St\u00fcck \u201eDie Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade\u201c von Peter Weiss ereignet sich im 1.Akt in der 14.Szene ein \u201ebedauerlicher Zwischenfall\u201c, wobei man nicht wei\u00df, was am Bedauerlichsten ist:<br \/>\nDer Zwischenfall selbst oder dass Weiss diesen \u201eZwischenfall\u201c so auf die B\u00fchne bringt:<\/p>\n<p>\u201eIm Hintergrund wird ein Patient, der sich eine priesterliche Halskrause umgelegt hat, von einem Anfall ergriffen und h\u00fcpft auf den Knien nach vorn.<\/p>\n<p>PATIENT \u00fcberst\u00fcrzt stammelnd<br \/>\nBetet betet<br \/>\nbetet ihn an<br \/>\nSatan der du bist in der H\u00f6lle<br \/>\ndein Reich komme<br \/>\ndein Wille geschehe<br \/>\nwie in der H\u00f6lle also auch auf Erden<br \/>\nVergib uns unsere Unschuld<br \/>\nerl\u00f6se uns von allem Guten<br \/>\nF\u00fchre uns<br \/>\nF\u00fchre uns in Versuchung<br \/>\nin Ewigkeit<br \/>\nAmen<\/p>\n<p>Coulmier ist aufgesprungen. Pfleger werfen sich \u00fcber den Patienten, binden ihn, schleppen ihn nach hinten ab. Er wird unter eine Dusche gestellt.<br \/>\nAUSRUFER schwingt die Holzrassel<br \/>\nZwischenf\u00e4lle dieser Art sind nicht zu vermeiden<br \/>\nsie geh\u00f6ren bei uns zum Bild der Leiden<br \/>\nLassen Sie uns mit Ehrfurcht bedenken<br \/>\nda\u00df jener den sie dort hinten zur Besinnung lenken<br \/>\neinmal als Prediger sehr bekannt<br \/>\neinem ber\u00fchmten Kloster vorstand<br \/>\nLassen Sie es als eine Erinnerung gelten<br \/>\nan die Undurchschaubarkeit himmlischer und irdischer Welten<\/p>\n<p>schwingt die Rassel zum Abschlu\u00df.<br \/>\nCoulmier setzt sich.<br \/>\nDie Patienten ziehen sich zur\u00fcck und strecken sich, von Schwestern und Pflegern \u00fcberwacht, auf den B\u00e4nken aus.\u201c<\/p>\n<p>Soweit der \u201ebedauerliche Zwischenfall\u201c. In der n\u00e4hsten Szene \u201eFortsetzung des Gespr\u00e4chs zwischen Marat und Sade\u201c sagt Sade:<br \/>\n\u201eUm zu bestimmen was falsch ist und was recht ist<br \/>\nm\u00fcssen wir uns kennen<br \/>\nIch<br \/>\nkenne mich nicht\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht sollten Weiss\/Sade die Sache nicht zu hoch h\u00e4ngen: Auch wenn wir uns in einem umfassenden Sinn nicht kennen und vielleicht gar nicht kennen k\u00f6nnen, w\u00e4re doch schon viel gewonnen, wenn wir wenigstens Kenntnisse h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die absolute Kenntnisslosigkeit mit der Weiss das Thema Epilepsie hier auf die allerd\u00fcmmste und primitivste Art abhandelt, l\u00e4sst uns selbst im Nachhinein noch rot vor Scham werden.<br \/>\nZumal gerade Weiss wusste und wissen musste, dass das \u201eVergasen\u201c, bevor es in Auschwitz und Maidannek im industriellen Ma\u00dfstab ausgef\u00fchrt wurde, in den \u201eAnstalten\u201c im Technikums-Ma\u00dfstab an den verschiedenen Sorten von \u201eIdioten\u201c erprobt wurde.<br \/>\nNat\u00fcrlich lebt Theater vom Rummel, vom Spektakel.<br \/>\nDie Herkunft vom Jahrmarkt ist offensichtlich und \u00fcberhaupt keine Schande.<br \/>\nUnd nat\u00fcrlich verlangt der Rummel nach dem deutlichen Knalleffekt, nach der \u201eTheatralik\u201c. Es soll donnern und blitzen.<br \/>\nTrotzdem oder gerade deswegen geh\u00f6rt das Verbreiten primitiver und f\u00fcr die Betroffenen potentiell bedrohlicher, ja lebensbedrohlicher Vorurteile nicht zu dem, was dem Theater erlaubt ist.<br \/>\nDabei geht es nicht um Zensur, sondern um Verantwortung.<br \/>\nDie Ver\u00e4chtlichmachung Schwacher ist eines intelligenten und klugen Menschen unw\u00fcrdig.<br \/>\nDas Spielen mit Vorurteilen um der Effekthascherei willen, k\u00f6nnen wir nur aus tiefstem Herzen verachten.<br \/>\nZumal eine epileptischer Anfall, einfach nur als Anfall dargestellt, durchaus dramatisch und effektvoll ist.<br \/>\nMeistens wirkt er verst\u00f6rend und erschreckend, auf die Zuschauer.<br \/>\nDas l\u00e4cherliche Auf-die-B\u00fchne hoppeln, das Weiss zu einem Teil des Anfalls werden l\u00e4sst, wirkt dagegen nicht erschreckend, sondern l\u00e4cherlich.<br \/>\nUnd die Anrufung des Satans durch den Epileptiker (der auch noch ein gewesener Priester sein soll) ist blo\u00dfes Vorurteil.<br \/>\nAllerdings brandgef\u00e4hrlich f\u00fcr jeden Idioten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich hat die katholische Kirche den Exorzismus noch in ihrem Repertoire.<br \/>\nWir erinnern uns, dass in den siebziger Jahren in der Gegend von W\u00fcrzburg Anneliese Michel, einer Epileptikerin solange der Teufel ausgetrieben wurde, bis sie qualvoll gestorben war.<br \/>\nUnd wir wissen auch, dass damals noch ein Theologieprofessor in W\u00fcrzburg lehrte und seinen Bischof beriet, der sp\u00e4ter zum Haupt der Inquisition und sogar der ganzen katholischen Kirche wurde.<br \/>\nDamit ist und bleibt die Verkn\u00fcpfung von Epilepsie und Teufel gef\u00e4hrlich, mitunter lebensgef\u00e4hrlich f\u00fcr EpileptikerInnen.<br \/>\nVon Peter Weiss h\u00e4tte man erwarten k\u00f6nnen, dass er das wei\u00df.<\/p>\n<p>Der Fall der Anneliese Michel<br \/>\nAus der Wikipedia erfahren wir dazu folgende Geschichte:<br \/>\n\u201eAb 1959 besuchte Anneliese Michel die Volksschule in Klingenberg, zur 6. Klasse wechselte sie an das Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium in Aschaffenburg, wo sie als hochintelligent galt, aber wegen nervlicher Probleme auffiel.<br \/>\nSo biss sie sich im Jahr 1968 bei einem Krampfanfall in die eigene Zunge, woraufhin bei ihr eine generalisierte Epilepsie mit Anf\u00e4llen vom Typ Grand Mal diagnostiziert wurde, wogegen sie antikonvulsive Mittel erhielt.<br \/>\nAnneliese Michel ging mehrmals w\u00f6chentlich zur Messe, betete regelm\u00e4\u00dfig Rosenkr\u00e4nze, schlief zur S\u00fchne manchmal auf dem Fu\u00dfboden. Sie war Mitglied im Sportverein und erhielt Klavier- und Akkordeonunterricht.<br \/>\nNach einer Mandeloperation, einer Rippenfell- und anschlie\u00dfender Lungenentz\u00fcndung erkrankte sie an einer Lungentuberkulose. Sie hielt sich deswegen im Jahre 1970 sechs Monate in der Lungenheilanstalt von Mittelberg im Allg\u00e4u auf.<br \/>\nAnneliese war au\u00dfergew\u00f6hnlich gut in der Schule und hatte den Wunsch, Lehrerin zu werden. Ihre Eltern unterst\u00fctzten sie in diesem Vorhaben. Nach ihrem Abitur im Jahr 1973 studierte sie ab dem Herbst desselben Jahres an der P\u00e4dagogischen Hochschule in W\u00fcrzburg. Sie wohnte im Ferdinandeum, dem katholischen Wohnheim der PH.<br \/>\nBeim Besuch verschiedener \u00c4rzte wurde eine Temporallappenepilepsie diagnostiziert und mit dem Antikonvulsivum Carbamazepin behandelt. Eine eingehende psychiatrische Untersuchung mit psychopathologischem Befund fand anscheinend nie statt. So ist unklar, ob sie zus\u00e4tzlich noch an einer psychischen Krankheit litt (z. B. einer neuronalen St\u00f6rung wie Trance- und Besessenheitszustand ICD 10 F 44.3). Sie starb 1976 an den Folgen von Unterern\u00e4hrung und Entkr\u00e4ftung. Bei der Obduktion wurde eine Lungenentz\u00fcndung festgestellt. Eine pathologische Ver\u00e4nderung im Schl\u00e4fenlappenbereich lie\u00df sich nicht feststellen, allerdings ist dies kein Beweis daf\u00fcr, dass sie keine Epilepsie hatte. In den letzten Monaten ihres Lebens war mit Genehmigung des W\u00fcrzburger Bischofs Josef Stangl von Pater Arnold Renz (\u2020 1986) und Pfarrer Ernst Alt der Gro\u00dfe Exorzismus nach dem Rituale Romanum durchgef\u00fchrt worden. Schon mehrere Jahre lang hatte sie auffallend wenig gegessen und in den letzten Monaten schlie\u00dflich jegliche Nahrungsaufnahme verweigert. Bei ihrem Tod wog sie nur noch 31 kg. Pfarrer Alt nahm daraufhin selbst mit der Staatsanwaltschaft in Aschaffenburg Kontakt auf.<br \/>\nAnneliese Michel brachte sich nach den Aussagen der Anwesenden schwere Verwundungen bei, darunter Bluterg\u00fcsse im Bereich beider Augen. In den letzten Wochen ihres Lebens wurde sie zeitweise ans Bett gefesselt, um schlimmere Verletzungen zu verhindern. Dar\u00fcber hinaus ist noch von abgebrochenen Z\u00e4hnen und Wundmalen die Rede, die an K\u00f6rperstellen aufgetreten waren, wie sie h\u00e4ufig mit Jesus Christus in Verbindung gebracht werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach beruhen s\u00e4mtliche Verletzungen auf Selbstgei\u00dfelungen oder unkontrollierten Handlungen w\u00e4hrend spontaner Anf\u00e4lle. Sie sind auf mehreren Fotos dokumentiert.<br \/>\nBefreundete Kommilitoninnen berichten, dass Anneliese schon im Studentinnenwohnheim einer Rosenkranzgebetsgruppe angeh\u00f6rte. Als sich ihr Zustand verschlimmerte, h\u00e4tten diese das Herbeirufen eines Notarztes verhindert und stattdessen einen Exorzisten geholt, der sich als Annelieses Hausarzt ausgegeben habe; somit habe Anneliese schon in einem verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig fr\u00fchen Stadium \u00e4rztliche Hilfe gefehlt.<br \/>\nAus Tonbandaufzeichnungen geht hervor, dass Anneliese Michel mit stark ver\u00e4nderter Stimme sprach und immer wieder spontane Schreie ausstie\u00df. Sie benutzte grob unfl\u00e4tige Ausdr\u00fccke, welche die Exorzisten D\u00e4monen zuschrieben. Auch menschliche D\u00e4monen, die sich als Hitler oder Nero ausgegeben h\u00e4tten, wollen die Priester bei dem M\u00e4dchen ausgemacht haben.<br \/>\nIm Gerichtsverfahren, das als der Aschaffenburger Exorzismus-Prozess weltweit bekannt wurde, beantragte die Staatsanwaltschaft am 19. April 1978 die Bestrafung der Angeklagten wegen \u201efahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung durch Unterlassung\u201c. Die Priester sollten eine Geldstrafe erhalten, f\u00fcr die Eltern wurde kein Strafma\u00df gefordert, da sie am Verlust der Tochter schon schwer genug zu tragen h\u00e4tten. Richter Elmar Bohlender folgte diesem Antrag nicht, sondern verurteilte sowohl die Eltern als auch Pater Renz und Pfarrer Alt am 21. April 1978 zu je sechsmonatigen Haftstrafen, die auf drei Jahre zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt wurden. Das Gericht warf ihnen vor, sie h\u00e4tten f\u00fcr medizinische Hilfe sorgen und einen Arzt hinzuziehen m\u00fcssen.<br \/>\nAm 25. Februar 1978 fand eine Exhumierung der Toten statt. Als Grund gaben die Eltern an, Anneliese h\u00e4tte in gro\u00dfer Eile in einem billigen Sarg bestattet werden m\u00fcssen, jetzt wolle man sie in einen mit Zink ausgeschlagenen Eichensarg umbetten. Im Hintergrund stand aber vermutlich auch die Behauptung einer Nonne aus dem Allg\u00e4u, Anneliese sei ihr erschienen. Sie h\u00e4tte angek\u00fcndigt, ihr K\u00f6rper sei bisher unverwest. So w\u00fcrde die \u00fcbernat\u00fcrliche Natur des Geschehenen belegt. Das offizielle Ergebnis der Exhumierung lautete aber auf eine dem Zeitrahmen entsprechende Verwesung. Von den Angeklagten hat sie niemand gesehen. Pater Renz sagte, er sei am Betreten der Leichenhalle gehindert worden.\u201c<\/p>\n<p>Das Nachleben der Anneliese Michel<\/p>\n<p>Im Internet finden sich unter dem Stichwort \u201eAnneliese Michel\u201c zahlreiche Seiten, die vor allem eines beweisen:<br \/>\nDass die religi\u00f6sen Fanatiker \u00fcber ihre Untaten keinerlei Reue empfinden !<br \/>\nIn einem der \u201eWikipedia\u201c nach empfundenen \u201eKathpedia\u201c erfahren wir folgendes:<br \/>\n\u201eDas Exorzitat (Exozist) ist die zweite Niedere Weihe zum Priestertum in der au\u00dferordentlichen Form des r\u00f6mischen Ritus. Sie entfiel im ordentlichen r\u00f6mischen Ritus durch das Motu proprio Ministeria quaedam vom 15. August 1972 des Papstes Paul VI. \u00fcber die Reform der Weihestufen in der lateinischen Kirche.<br \/>\nDas Wort Exorzismus kommt aus dem Griechischen. Man versteht darunter einen im Namen Gottes an den Teufel gerichteten Befehl, einen Menschen oder einen Gegenstand zu verlassen und ihm nicht zu schaden. In einer Zeit, in der sogar Christen den Teufel leugnen und andererseits der Satanismus in erschreckendem Ausma\u00df st\u00e4ndig neue Bl\u00fcten treibt, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass sowohl die Existenz des Satans als auch einer ewigen H\u00f6lle sicheres katholisches Glaubensgut ist [vgl. KKK 391 und 1035].<br \/>\nDer Exorzistendienst hat sich in der fr\u00fchen Kirche als ein eigenes Amt herausgebildet. Wenn auch die Kirche sp\u00e4ter das Recht, Exorzismen vorzunehmen, stark eingeschr\u00e4nkt hat, so hat sie doch die Exorzistenweihe als Vorstufe zum Priestertum beibehalten. Der Exorzist erh\u00e4lt Anteil an der priesterlichen Gewalt, das B\u00f6se zu bannen. Sie wird verliehen als eine potestas ligata, d. h. als eine zwar reale, aber gebundene Gewalt. Um sie auszu\u00fcben bedarf es nach geltendem Kirchenrecht einer besonderen und ausdr\u00fccklichen Erlaubnis des Ortsbischofs [vgl. CIC Can 1172 \u00a7 1).<br \/>\n(www.kathpedia.de\/index.php?title=Exorzist )\u201c<\/p>\n<p>Die Autoren scheinen gar nicht zu begreifen, dass es ein Unterschied ist, ob man an die Existenz des B\u00f6sen glaubt (und es als \u201eSatan\u201c personifiziert) oder ob man behauptet, dass jemand vom Teufel besessen ist.<br \/>\nEs ist ein Verbechen, auch im christlichen und katholischen Sinn, wenn man Kranke, statt ihnen zu helfen, als vom \u201eTeufel besessen\u201c diffamiert.<br \/>\nIn der gleichen \u201eKathpedia\u201c wird \u00fcbrigens die Verurteilung der Eltern und des Exorzisten als \u201eSchauprozess\u201c abqualifiziert.<br \/>\nSo als sei es eine l\u00e4ssliche S\u00fcnde jemand verhungern zu lassen. <\/p>\n<p>Paradigmatisch f\u00fcr das fehlende schlechte Gewissen ist auch die Abhandlung eines Herrn Christian Sieberer: Kommentar zum \u201eFall Klingenberg\u201c, Anneliese Michel. \u201eDer Autor ist r\u00f6misch-katholischer Priester.\u201c hei\u00dft es dazu im Wikipedia-Artikel zu Anneliese Michel.<br \/>\nBei Herrn Sieberer finden wir folgendes:<br \/>\n\u201eIn der Presseerkl\u00e4rung zum &#8222;Fall Klingenberg&#8220;, die Kardinal Josef H\u00f6ffner, der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am 28. April 1978 ver\u00f6ffentlichte, best\u00e4tigte der h\u00f6chste Vertreter der katholischen Kirche Deutschlands die grunds\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit einer d\u00e4monischen Besessenheit, indem er schrieb<br \/>\n&#8222;Die katholische Theologie h\u00e4lt an der Existenz des Teufels und d\u00e4monischer M\u00e4chte fest. Es besteht auch f\u00fcr den Menschen des ausgehenden 20. Jahrhunderts kein Grund, das Wirken Satans und b\u00f6ser Geister in unserer Welt zu leugnen oder die Aussagen dar\u00fcber als absurd zu empfinden. Die Kirche lehrt in ununterbrochener Tradition, dass Gott unsichtbare Wesen mit Erkenntnis und Willen erschaffen hat. Einige wandten sich aus freier Entscheidung gegen Gott als den Urheber alles Guten und wurden b\u00f6se. Die Kirche ist ferner der \u00dcberzeugung, dass diese b\u00f6sen Geister auch einen unheilvollen Einfluss auf die Welt und den Menschen auszu\u00fcben versuchen. Diese Einwirkung hat viele Formen. Eine dieser Formen kann die Besessenheit sein.&#8220;<\/p>\n<p>Zeitgeist<\/p>\n<p>Der einzigartige rund um den so genannten &#8222;Aschaffenburger Exorzistenprozess&#8220;\u00a0 machte auch die Fr\u00fcchte zweier damals aktueller Werke sichtbar: &#8222;Abschied vom Teufel&#8220; von Herbert Haag und &#8222;Der Exorzist&#8220; von William Friedkin. Die von den Medien kolportierte \u00f6ffentliche Meinung rechnete nicht mehr mit der Existenz des Teufels, und die von hohen Vertretern der katholischen Kirche ver\u00f6ffentlichten Schreiben lie\u00dfen erkennen, dass viele W\u00fcrdentr\u00e4ger dies h\u00f6chstens nur mehr in der Theorie taten. Einig waren sich diese beiden Seiten vor allem in der negativen Beurteilung eines durch Jahrhunderte bew\u00e4hrten Rituals der gr\u00f6\u00dften Glaubensgemeinschaft der Welt, des Exorzismus der katholischen Kirche.\u201c<br \/>\nZitiert aus Christian Sieberer: Kommentar zum \u201eFall Klingenberg\u201c, Anneliese Michel. Der Autor ist r\u00f6misch-katholischer Priester.<\/p>\n<p>Ob Leute, die uns die pers\u00f6nliche Existenz von D\u00e4monen und Teufeln verkaufen wollen, \u00fcberhaupt einen angemessenen brauchbaren Begriff des ohne jeden Zweifel realen B\u00f6sen haben, darum geht es im folgenden Kapitel.<\/p>\n<p>Vom B\u00f6sen<\/p>\n<p>Gut und B\u00f6se sind elementare Gegensatzpaare, genau so elementar wie hell und dunkel, hungrig oder satt, richtig oder falsch, s\u00fc\u00df oder sauer.<br \/>\nDie Selbstverst\u00e4ndlichkeit mit der wir diese Begriffe benutzen, verdeckt aber nur wie wenig selbstverst\u00e4ndlich sie sind.<br \/>\nSpeziell meine Generation (ich bin Jahrgang 1952) war mit einer ganzen Genaration von Erwachsenen konfrontiert, deren Moral streng unterteilt war in die Zeit vor und nach 1945. Vor 45 war der Gehorsam gegen\u00fcber dem \u201eF\u00fchrer\u201c ein unter Umst\u00e4nden \u00fcber Leben und Tod entscheidendes Kriterium f\u00fcr \u201eGut\u201c und \u201eB\u00f6se\u201c. \u201eGut\u201c war, was dem nationalsozialistischen Staat und dem \u201eF\u00fchrer\u201c n\u00fctzte und gefiel, \u201eb\u00f6se\u201c und todesw\u00fcrdig war es gegen beide zu rebellieren.<br \/>\nNach 45 mussten diese Menschen lernen, dass sie nur gut gehandelt h\u00e4tten, wenn sie nach \u201ealten\u201c Ma\u00dfst\u00e4ben \u201eb\u00f6se\u201c gehandelt h\u00e4tten.<br \/>\nWobei es auch ein vor 33 gegeben hat, als die nationalsozialistischen Werte noch nicht galten.<br \/>\nDiese zweimalige Umwertung aller Werte lies sp\u00e4testens in unserer Pubert\u00e4t unsere Erzieher in unserer Sicht zu verachtenswerten Kretins schrumpfen.<br \/>\nInzwischen haben wir gen\u00fcgend Sauereien gut gehei\u00dfen um von unserem hohen Ross ab zu steigen.<br \/>\nUm so dringender stellt sich allerdings das Problem wie wir Moral neu definieren, wenn die alten Lehrer und ihre Lehren so offenkundig versagt haben und unsere jugendlichen Schnellsch\u00fcsse auch nicht besser waren.<br \/>\nTraditionell unterscheiden wir in unserer Kultur zwischen dem \u201eb\u00f6sen\u201c Tier, das seinen Trieben folgt und dem \u201ezivilisierten\u201c \u201eguten\u201c Menschen, der seine Triebe beherrscht.<br \/>\nDas \u201eB\u00f6se\u201c w\u00e4re demnach in den Trieben zu Hause. Dass wir essen wollen, wenn wir Hunger haben und so wenig warten wollen, wie der S\u00e4ugling, der sofort nach der Mutter schreit, w\u00e4re demnach eine Quelle des \u201eB\u00f6sen\u201c.<br \/>\nDass wir trinken wollen, wenn wir durstig sind, auch.<br \/>\nUnd ganz besonders schlimm: Dass wir bei einem h\u00fcbschen, runden Hintern Lust versp\u00fcren, ist gewisserma\u00dfen der Gipfelpunkt jeglicher S\u00fcnde.<br \/>\nWas ist aber b\u00f6se daran satt werden zu wollen ?<br \/>\nUnd stehen nicht Tiere (jedenfalls die meisten) sowie so jenseits von Gut und B\u00f6se ?<br \/>\nDie Selbstverst\u00e4ndlichkeit mit der Freud das \u201eEs\u201c als zu z\u00e4hmendes, triebhaftes potentiell b\u00f6ses Tier in uns sah und das von den erwachsenen Erziehern geformte \u201e\u00dcber-Ich\u201c, das Gewissen, als die Instanz, die das Tier kontrollieren muss, damit wir nicht in Mord und Todschlag enden, erweist sich angesichts der Orgie des B\u00f6sen im 20 Jahrhundert als gef\u00e4hrlicher Aberglaube.<br \/>\nDie Massenm\u00f6rder mordeten mit einem erstaunlich guten Gewissen.<br \/>\nZur katholischen Tradition geh\u00f6rt die Lehre von den 7 Tods\u00fcnden.<br \/>\nIn der Wikipedia lesen wir dazu folgendes:<br \/>\n\u201eTods\u00fcnde<\/p>\n<p>Wechseln zu: Navigation, Suche <\/p>\n<p>Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tods\u00fcnde (Begriffskl\u00e4rung) aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Hieronymus Bosch (1450\u20131516): Die Sieben Tods\u00fcnden; in den Ecken: Die vier letzten Dinge<br \/>\nMit dem Begriff Tods\u00fcnde (peccatum mortiferum) werden im Katechismus der Katholischen Kirche bestimmte, besonders schwerwiegende S\u00fcnden bezeichnet.<br \/>\nDavon grenzt die katechetische Tradition der r\u00f6misch-katholischen Kirche die \u201el\u00e4ssliche S\u00fcnde\u201c als minderschweres, geringf\u00fcgiges Vergehen ab. Bestimmte Vergehen bilden als \u201ehimmelschreiende S\u00fcnden\u201c eine Unterkategorie der Tods\u00fcnde, die als Steigerung wahrgenommen wird.<br \/>\nDen Tods\u00fcnden werden die Haupttugenden gegen\u00fcbergestellt.[1]<\/p>\n<p>Inhaltsverzeichnis<br \/>\nDefinition<br \/>\nDamit eine S\u00fcnde als schwer zu beurteilen ist, muss sie drei Voraussetzungen erf\u00fcllen:[2]<br \/>\nSie muss eine schwerwiegende Materie, insbesondere einen Versto\u00df gegen die zehn Gebote, zum Gegenstand haben; traditionell werden Ehebruch, Mord oder Apostasie (= Glaubensabfall) genannt.<br \/>\nDer S\u00fcnder muss die Tods\u00fcnde \u201emit vollem Bewusstsein\u201c begehen, die Schwere der S\u00fcnde also bereits vorher erkennen.<br \/>\nDie S\u00fcnde muss \u201emit bedachter Zustimmung\u201c (also aus freiem Willen) begangen werden.<br \/>\nPapst Johannes Paul II. konkretisierte den Begriff Tods\u00fcnde im Apostolischen Schreiben \u00fcber Vers\u00f6hnung und Bu\u00dfe in der Kirche Reconciliatio et paenitentia aus dem Jahr 1984 wie folgt:<br \/>\nDie Lehre der Kirche nennt \u201edenjenigen Akt eine Tods\u00fcnde, durch den ein Mensch bewusst und frei Gott und sein Gesetz sowie den Bund der Liebe, den dieser ihm anbietet, zur\u00fcckweist, indem er es vorzieht, sich sich selbst[3] zuzuwenden oder irgendeiner geschaffenen und endlichen Wirklichkeit, irgendeiner Sache, die im Widerspruch zum g\u00f6ttlichen Willen steht\u201c.[4]<br \/>\nInsgesamt kommt in der Tods\u00fcnde eine Abkehr von der in der S\u00fcndenvergebung durch die Taufe begr\u00fcndeten Gemeinschaft mit Gott zum Ausdruck. F\u00fcr die erneute Vergebung der pers\u00f6nlichen Schuld ist aber keine weitere Taufe erforderlich, sondern es gen\u00fcgt die vollkommene Reue, also die bewusste Hinwendung zur Liebe Gottes. Im Bu\u00dfsakrament, der Beichte, ist dem B\u00fc\u00dfer die Vergebung von Tods\u00fcnden \u00fcberdies auch ohne Gewissheit \u00fcber die Vollkommenheit der Reue zugesagt.<br \/>\nAbgrenzung zum Laster<br \/>\nS\u00fcnden entstehen nach der klassischen Theologie aus sieben schlechten Charaktereigenschaften:<br \/>\nSuperbia<br \/>\nHochmut (Eitelkeit, Stolz, \u00dcbermut)<br \/>\nAvaritia<br \/>\nGeiz (Habgier)<br \/>\nLuxuria<br \/>\nWollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren)<br \/>\nIra<br \/>\nZorn (Wut, Rachsucht)<br \/>\nGula<br \/>\nV\u00f6llerei (Gefr\u00e4\u00dfigkeit, Ma\u00dflosigkeit, Selbstsucht)<br \/>\nInvidia<br \/>\nNeid (Eifersucht, Missgunst)<br \/>\nAcedia<br \/>\nFaulheit (Feigheit, Ignoranz, Tr\u00e4gheit des Herzens)<br \/>\nDiese Charaktereigenschaften werden als Hauptlaster bezeichnet. Sie sind die Ursache vieler S\u00fcnden und k\u00f6nnen sowohl zu schweren als auch zu l\u00e4sslichen S\u00fcnden f\u00fchren. Da die Hauptlaster Ursache und somit Wurzel von S\u00fcnden sind, werden sie gelegentlich auch als \u201eWurzels\u00fcnden\u201c bezeichnet; auch der Begriff \u201eHaupts\u00fcnde\u201c ist gebr\u00e4uchlich.<br \/>\nVerwirrend und theologisch falsch, aber umgangssprachlich gebr\u00e4uchlich ist die Bezeichnung der sieben Hauptlaster als \u201esieben Tods\u00fcnden\u201c; sie sind zwar durchaus auch selbst\u00e4ndige S\u00fcnden, Tods\u00fcnden sind aber \u2013 sogar der Materie nach, also auch ohne Ber\u00fccksichtigung der \u201emildernden Umst\u00e4nde\u201c Wissens- und Willensmangel \u2013 nur einige davon und dann auch meist nur in ihrer vollen Auspr\u00e4gung.<br \/>\nErstmals findet sich eine solche Kategorisierung von menschlichen Lastern bei Euagrios Pontikos Ende des 4. Jahrhunderts. Er benennt acht negative Eigenschaften, von denen die M\u00f6nche heimgesucht werden k\u00f6nnen. Invidia geh\u00f6rte f\u00fcr ihn nicht dazu, aber zus\u00e4tzlich zu den oben genannten Vana Gloria (Ruhmsucht) und Tristitia (Tr\u00fcbsinn). Papst Gregor I. (\u2020 604) ordnete Tr\u00fcbsinn der Acedia zu, die Ruhmsucht dem Hochmut und f\u00fcgte dem S\u00fcndenkatalog den Neid hinzu.<br \/>\nSchon damals wurden den Hauptlastern bestimmte D\u00e4monen zugeordnet, am weitesten verbreitet ist jedoch die Zuordnung des Peter Binsfeld aus dem 16. Jahrhundert. Diese ordnet Luzifer den Hochmut, Mammon den Geiz, Leviathan den Neid, Satan den Zorn, Asmodeus die Wollust, Beelzebub die V\u00f6llerei und Belphegor die Faulheit zu.<br \/>\nSeit der mittelalterlichen Theologie werden den Hauptlastern h\u00e4ufig die Kardinaltugenden gegen\u00fcbergestellt, die verschiedene Teil-Tugenden zusammenfassen. Zahlreiche Kirchenv\u00e4ter und Theologen befassten sich mit den Haupts\u00fcnden und trugen auch zu ihrer Systematisierung bei. Papst Gregor I. stellte ihnen etwa die \u201eSieben Gaben des Heiligen Geistes\u201c gegen\u00fcber.<br \/>\nIm Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche aus dem Jahr 1992 wird als erste Haupts\u00fcnde nicht Hochmut, sondern Stolz genannt.<br \/>\nTheologische Konsequenzen<br \/>\nNach der Lehre der katholischen Kirche zieht die (schwere) S\u00fcnde den zweiten Tod, die H\u00f6llenstrafe nach sich, wenn man ohne vollkommene Reue und Bu\u00dfe stirbt. Die Vergebung der Tods\u00fcnde kann nur im Bu\u00dfsakrament oder durch vollkommene Reue (d.\u00a0h. Reue aus Liebe zu Gott) erreicht werden. Die vollkommene Reue muss den Wunsch enthalten, das Bu\u00dfsakrament und die Absolution (s.\u00a0u.) zu empfangen. Auch der Empfang der heiligen Kommunion ist als unw\u00fcrdig verboten. In der pers\u00f6nlichen Beichte spricht die Kirche durch den Priester in persona Christi den S\u00fcnder kraft g\u00f6ttlicher Vollmacht von seinen S\u00fcnden los: Er erteilt die Absolution. Hier gen\u00fcgt auch eine nur unvollkommene Reue (d.\u00a0h. Reue aus Furcht vor Gottes Strafe) f\u00fcr die wirksame Wiederherstellung der Taufgnade. \u201e<br \/>\n( http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tods%C3%BCnde  Stand 11.5.2013)<br \/>\nIch habe mit gutem Grund diesen Artikel sehr ausf\u00fchrlich zitiert, verr\u00e4t er doch ein mehr als fragw\u00fcrdiges Konzept von Moral. Insbesondere die Frage was gut und b\u00f6se ist, wird einer Art und Weise beantwortet, die mit meinen, auch christlich gepr\u00e4gten Wertvorstellung in keinster Weise vereinbar ist.<br \/>\nAber der Reihe nach:<br \/>\n\u201e&#8230;traditionell werden Ehebruch, Mord oder Apostasie (= Glaubensabfall) genannt.\u201c. Der einzige Unterschied zu den Taliban, wenn sie die n\u00e4chste Frau wegen Ehebruch steinigen, l\u00e4ge dann \u201etraditionell\u201c einzig in der Frage, was der \u201ewahre Glaube\u201c ist. Das ist ohne Zweifel eine Tradition, die wir in Ost und West so schnell wie m\u00f6glich beenden m\u00fcssen.<br \/>\n\u201eS\u00fcnden entstehen nach der klassischen Theologie aus sieben schlechten Charaktereigenschaften: \u201e heisst es dann.<br \/>\n\u201eSuperbia<br \/>\nHochmut (Eitelkeit, Stolz, \u00dcbermut)<br \/>\nAvaritia<br \/>\nGeiz (Habgier)<br \/>\nLuxuria<br \/>\nWollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren)<br \/>\nIra<br \/>\nZorn (Wut, Rachsucht)<br \/>\nGula<br \/>\nV\u00f6llerei (Gefr\u00e4\u00dfigkeit, Ma\u00dflosigkeit, Selbstsucht)<br \/>\nInvidia<br \/>\nNeid (Eifersucht, Missgunst)<br \/>\nAcedia<br \/>\nFaulheit (Feigheit, Ignoranz, Tr\u00e4gheit des Herzens)\u201c<br \/>\nHier sitzt es wieder auf der Anklagebank, das b\u00f6se Tier und verlangt nach \u201eWollust\u201c.<br \/>\nWas aber ist daran b\u00f6se, sexuelle Lust zu leben, solange Mann keine Frau zu etwas zwingt und erwachsene M\u00e4nner kleine Jungs erst mal erwachsen werden lassen, bevor sie sie begehren ?<br \/>\nIch bin aus der Pfalz und hier sind Gourmant und Gourrmet gleichermassen zu Hause. Die einen sind auf der Jagd nach den gr\u00f6\u00dften Leberkn\u00f6deln und den Schnitzeln, die den Teller f\u00fcllen und kennen jede Strau\u00dfwirtschaft, die anderen pilgern nach Hayna oder anderen heiligen Orten der Kochkunst und lassen sich den Gaumen kitzeln. Manche, darunter auch ehemalige Bundeskanzler, bewegen sich in beiden Welten.<br \/>\nWir sind ohne Zweifel ein Landstrich in dem die V\u00f6llerei gro\u00dfe Wertsch\u00e4tzung genie\u00dft. Aber hausst hier auch das B\u00f6se, die \u201eWurzels\u00fcnde\u201c ?<br \/>\nWenn man zuviel isst und trinkt kann man sich den Magen verderben und die Gesundheit ruinieren, aber dient man damit schon dem B\u00f6sen ?<br \/>\nUnd so kann man alle 7 \u201eTods\u00fcnden\u201c durchgehen: Hochmut und Stolz k\u00f6nnen zur Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung f\u00fchren, aber ist man deswegen b\u00f6se ? Geiz und Sparsamkeit sind Geschwister d.h es geht hier eigentlich um das rechte Ma\u00df.<br \/>\nOb Zorn gut oder b\u00f6se ist, hat mehr damit zu tun, wor\u00fcber man erz\u00fcrnt.<br \/>\nUnd Neid und Eifersucht sind ganz normale Reaktionen schon eines Kindes, das neidisch wird, wenn es glaubt, dass sein Geschwisterchen mehr geliebt wird.<br \/>\nVollends daneben ist die Verdammung der Faulheit:<br \/>\nUnser Gehirn arbeitet wie unser Herz Tag und Nacht. Aber es arbeitet in verschiedenen Modi. Sobald wir t\u00e4tig sind, kontrolliert es diese T\u00e4tigkeit. Wir bed\u00fcrfen der Muse, d.h. wir m\u00fcssen \u201efaul\u201c daliegen, damit es in den Modus der Reflexion schalten kann.<br \/>\nD.h. diese \u201eFaulheit\u201c ist die Voraussetzung f\u00fcr Kreativit\u00e4t.<br \/>\nDas ist die eine Art von \u201eFaulheit\u201c. Es gibt noch eine andere: Die Angst kann uns l\u00e4hmen und dann tun wir nichts, weil wir uns f\u00fcrchten (z.B. vor der H\u00f6lle).<\/p>\n<p>Zwar hat die Kirche die Ketzer (die Katharer) mit Feuer und Schwert bek\u00e4mpft, aber der Manich\u00e4ismus, den jene predigten, die Spaltung des einen Menschen in ein gutes \u201eGeistwesen\u201c und einen b\u00f6sen \u201eLeib\u201c ist ihr trotzdem tief eingeschrieben.<br \/>\nEs ist ein \u00dcbel, das sich schon vom ungewaschenen Plotin (und damit ist Heidentum auch nicht automatisch besser) und vom hochverehrten Augustinus herleitet.<br \/>\nDer K\u00f6rper muss beherrscht, ja unterdr\u00fcckt werden. Er ist das B\u00f6se.<br \/>\nVon diesem Standpunkt aus ist nat\u00fcrlich ein Anfall der Gipfel der Unbeherrschtheit und damit die Verk\u00f6rperung des B\u00f6sen.<br \/>\nZumal wenn es sich bei der Anneliese Michel vielleicht gar nicht um epileptische sondern um dissoziative Anf\u00e4lle gehandelt haben sollte.<br \/>\nWir aber bleiben weiter ohne eine irgendwie befriedigende Antwort auf die Frage: Was ist b\u00f6se.<br \/>\nUm dieser Frage endlich n\u00e4her zu kommen, wollen wir uns mit einem Satz befassen, der meiner Meinung nach so was ist wie der Hauptsatz jedweder Ethik, \u00e4hnlich elementar wie der Energieerhaltungssatz oder der 2.Hauptsatz der Thermodynamik:<br \/>\n\u201eWas Du getan hast einem der geringsten meiner Br\u00fcder, das hast Du mir getan !\u201c<br \/>\nEs ist \u00fcbrigens bemerkenswert, wie wenig sich gerade die \u201etraditionelle\u201c Theologie um solche Worte schert und stattdessen Lehrmeinungen aus dem 4-5 Jahrhundert als \u201ema\u00dfgeblich\u201c wiederk\u00e4ut.<br \/>\nAber das ist ein innerchristliches Problem.<br \/>\nWarum ist dieser Satz so elementar ?<br \/>\nWeil irgendwann im Verlauf der Evolution die F\u00e4higkeit entsteht \u201emit zu f\u00fchlen\u201c.<br \/>\nNachweisen kann man diese F\u00e4higkeit bisher bei Primaten, bei einigen wenigen weiteren S\u00e4ugetierarten, wie Elefanten und Delfinen, sowie bei Rabenv\u00f6geln und Papageien.<br \/>\nZu f\u00fchlen, wie andere leiden oder sich freuen, versetzt uns \u00fcberhaupt erst in die Lage zwischen \u201eich\u201c und \u201edu\u201c respektive zwischen \u201emir\u201c und dem Rest der Welt zu unterscheiden. Zugleich verbindet es mich mit anderen, anderen Menschen und anderen Lebewesen.<br \/>\nDiese elementare F\u00e4higkeit ist auch die Basis jeder Moral.<br \/>\nWir sind gut, soweit diese unsere F\u00e4higkeit fremden Schmerz zu f\u00fchlen, auch zu Konsequenzen f\u00fchrt. Wir h\u00f6ren auf gut zu sein, wenn uns dieser Schmerz nicht schert.<br \/>\nNat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir nicht immer nur gut sein, denn unsere F\u00e4higkeit mit zu f\u00fchlen ist grenzenlos, unsere F\u00e4higkeit Leid zu lindern nicht.<br \/>\nEs bleibt ein permanenter \u00dcberschuss an m\u00f6glichem Mitleid.<br \/>\nDass wir nicht immer gut sind, heisst aber noch nicht, dass wir deswegen schon b\u00f6se werden.<br \/>\nDas B\u00f6se ist f\u00fcr uns das Leid und der Tod. B\u00f6se sind wir, sofern wir anderen Leid und Tod bringen.<br \/>\nDamit beginnen aber erst die Schwierigkeiten: Als Tier ern\u00e4hren wir uns, in dem wir uns fremdes Leben einverleiben. Kein Huhn, kein Schwein, kein Rind, aber auch keine Karotte oder kein Salat lebt daf\u00fcr, von uns verzehrt zu werden.<br \/>\nFreilich ist unsere F\u00e4higkeit mit Salatk\u00f6pfen zu leiden wenig entwickelt. Weit weniger als z.B. mit H\u00fchnern.<br \/>\nMeine Gro\u00dfmutter war eine sehr flei\u00dfige, praktische Bauersfrau. Sie hatte sicher kein Problem einem Huhn den Kopf ab zu hacken, wenn es geschlachtet werden sollte. Schlie\u00dflich hatte Gott der Herr die H\u00fchner daf\u00fcr geschaffen, dass sie f\u00fcr uns Eier legen und wenn sie alt werden noch zu einer guten, fetten H\u00fchnersuppe taugen.<br \/>\nAls aber mein Cousin eine \u201emoderne Massenhaltung\u201c mit 200 H\u00fchnern begann, wurde sie sehr b\u00f6se. Zwar hat Gott uns erlaubt H\u00fchnern die Eier zu stehlen und ihnen, wenn die Zeit gekommen ist, den Kopf ab zu schlagen, damit aus ihnen Suppe wird, aber bis es soweit ist haben sie wie wir auch, das Recht auf ein anst\u00e4ndiges, halbwegs gutes Leben.<br \/>\nSo sah das meine Gro\u00dfmutter. Als Kind plapperte ich den Erwachsenen nach und erkl\u00e4rte meiner Gro\u00dfmutter, dass sie die neuen, modernen Zeiten nicht verstehe. Heute wei\u00df ich, das ich es war, der Entscheidendes nicht verstanden hatte.<br \/>\nLeben ist Werden und Vergehen. \u201eEwiges Leben\u201c kann es nicht geben, weil, wenn wir ewig w\u00e4ren, das Leben selbst irgendwann zum Stillstand kommen m\u00fcsste.<br \/>\nDeswegen gibt es kein Leben ohne Tod und ohne seinen st\u00e4ndigen Begleiter, das Leid.<br \/>\nSo unrealistisch es w\u00e4re Leid und Tod abschaffen zu wollen, so sehr entspricht es andererseits unserem angeborenen Wesen mitleiden zu k\u00f6nnen, dass wir versuchen sollten das Ausma\u00df an Leid und Tod zu verringern.<br \/>\nDas ist sicher eine Tandalos-Aufgabe, aber eine, die uns erst zu wirklichen Menschen macht.<br \/>\nNeben dem Tod, der zum Leben geh\u00f6rt, gibt es noch den Tod, der allem Leben feindlich ist. Nicht die bedingte Negation, sondern die unbedingte.<br \/>\nDieser Tod ist das absolut B\u00f6se, vor dem wir uns f\u00fcrchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Von der W\u00fcrde des Menschen \u2026..<\/p>\n<p>\u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar&#8230;\u201c hei\u00dft es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Jene, die diesen Satz bewu\u00dft an den Anfang, an die erste Stelle setzten, wussten sehr gut wie leicht und wie einfach man jeden Menschen seiner W\u00fcrde und am Ende auch seines Lebens berauben kann.<br \/>\nDeswegen repr\u00e4sentiert dieser Satz auch keine ewige Wahrheit, sondern eine durch unermessliches Leid verb\u00fcrgte historische Erfahrung.<br \/>\nAber gerade weil der Preis f\u00fcr diese Erkenntnis so hoch war, m\u00fcssen wir sie um so entschiedener verteidigen.<br \/>\nIch kann niemand verbieten an die Existenz von Engeln, Teufeln oder welchen Gespenstern und Geistern auch immer zu glauben. Das mag jeder halten, wie er will.<br \/>\nWer aber behauptet sein Mitmensch sei vom Teufel besessen, \u00fcberschreitet eine Grenze.<br \/>\nEine Grenze jenseits derer die W\u00fcrde dieses so verunglimpften Menschen tot getrampelt wird. Und so wenig es mir das Gesetz erlaubt solange auf einen am Boden liegenden Menschen einzutreten, bis er zu atmen aufh\u00f6rt, so wenig ist es mir erlaubt, diesem Menschen seine W\u00fcrde zu rauben.<br \/>\nMord ist nicht nur die b\u00f6se Tat. Mord kann auch schon die Verleumdung sein, die zur b\u00f6sen Tat f\u00fchrt.<br \/>\nAngeblich hebt uns zu wissen was Gut und B\u00f6se ist auf eine Stufe mit Gott.<br \/>\nMoral ist deswegen ein schwieriges, auch intellektuell anspruchsvolles Thema.<br \/>\nAusgangspunkt jeder wie immer gearteten Moral kann aber nur der Respekt vor dem Anderen sein. Und deswegen ist es von Grund auf unmoralisch diesen oder diese Andere mit dem B\u00f6sen in eins zu setzen.<br \/>\nWir alle sind b\u00f6ser und schlimmer Taten f\u00e4hig.<br \/>\nAber auch der verkommenste Massenm\u00f6rder bleibt immer noch ein Mensch wie wir.<br \/>\nEs geht dabei nicht um Weichheit und Nachgiebigkeit. Im Gegenteil: Wir m\u00fcssen sehr entschieden und unbeugsam sein, wenn irgendeiner kommt und seine Mitmenschen auf gut (meistens er selber) und b\u00f6se (immer die anderen) reduziert.<br \/>\nDass die franz\u00f6sische Revolution den B\u00fcrger Capet wie alle anderen B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen behandelte, war kein Verbrechen.<br \/>\nDass sie im Namen der Menschlichkeit K\u00f6pfe in Weidenk\u00f6rbe purzeln lies, war dagegen sehr wohl ein abscheuliches Verbrechen.<br \/>\nJeder gefallene Kopf, auch der des B\u00fcrgers Capet, war ein Anschlag auf die Menschenw\u00fcrde.<br \/>\nSelbstzufriedene Gl\u00e4ubige aller Richtungen, die sicher zu wissen glauben, wer gut und wer b\u00f6se ist, verk\u00f6rpern die Pervertierung jedweder Moral.<br \/>\nMoral, so sie den Namen verdient, wei\u00df immer nur was gut und b\u00f6se ist.<br \/>\nDie Frage wer gut und b\u00f6se ist, ist dagegen prinzipiell unmoralisch, vor allem wenn man glaubt die B\u00f6sen vernichten zu d\u00fcrfen.<br \/>\nDer Tod der Anneliese Michel \u2013 kein bedauerlicher Zwischenfall<br \/>\nWir haben nun das paradoxe Resultat, dass ausgerechnet die, die behaupten die Macht zu haben das B\u00f6se zu erkennen und zu vergeben, mit ihrer Teufelsaustreibung selbst zu Werkzeugen des B\u00f6sen wurden und damit f\u00fcr den Tod der Anneliese Michel voll verantwortlich sind.<br \/>\nIhre Rechtfertigungen, die zugleich Rechtfertigungen des Exorzismus sind, sind leer und hohl. Vor allem ihr Vorwurf an die Mitwelt, dass diese das B\u00f6se und seine Macht verkennt, verdeckt nur, wie problematisch ihr eigener Begriff vom B\u00f6sen ist.<br \/>\nWer \u201eEhebruch\u201c mit Mord auf eine Stufe stellt und von V\u00f6lkermord nichts weiss, soll aufh\u00f6ren uns \u00fcber Moral belehren zu wollen.<br \/>\nDie einerseits persische und andererseits platonische Tradition den \u201eGeist\u201c vom \u201eK\u00f6rper\u201c zu scheiden, ist die Quelle zahlreicher Irrt\u00fcmer und dadurch verursachten Leids.<br \/>\nDer Herrschaftsanspruch des Geistes \u00fcber den Leib wird dementiert durch jeden Anfall.<br \/>\nWir m\u00fcssen dieses Dementi ernst nehmen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die n\u00e4chste Version ist fertig. 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