{"id":22,"date":"2010-08-03T15:21:07","date_gmt":"2010-08-03T13:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=22"},"modified":"2011-02-11T07:49:21","modified_gmt":"2011-02-11T06:49:21","slug":"willensfreiheit-determinismus-und-wechselwirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=22","title":{"rendered":"Willensfreiheit, Determinismus und Wechselwirkung"},"content":{"rendered":"<div><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\">Ein neues Kapitel ist fertig. Entsprechend l\u00e4sst sich auch eine neue Version laden.<br \/>\nDie findet man unter <a href=\"http:\/\/www.walter-altvater.de\/wordpress\/wp-content\/Myschkin_f0.2.pdf\">Myschkin_f0.2<\/a> hier.<\/span><\/span><\/strong><\/div>\n<div><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\">Den Text des Kapitels kann man auch hier lesen:<\/span><\/span><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"><br \/>\n&#8222;Man spricht gern von Kausalketten. Wobei das ein kein sch\u00f6ner Ausdruck ist.<br \/>\nEs klingt so nach Kunda Kinde und einem Sklavenschiff auf dem Weg \u00fcber den Atlantik.<br \/>\nIch ziehe es vor mir Sch\u00fcre vor zu stellen, die von der Ursache zur Wirkung gespannt sind. Mit Knoten versehen, an denen Wenn.. dann-Bedingungen h\u00e4ngen. Am Ende gleicht das alles mehr einem Netz.<br \/>\nNat\u00fcrlich kann man auch damit gebunden und zum Sklaven gemacht werden.<\/span><\/span><\/strong><\/strong><\/div>\n<div><strong><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\">Wenn wir uns nun etwas konkreter auf unser Problem einlassen, dann sto\u00dfen wir zun\u00e4chst auf die Beziehung Ursache ? Wirkung. Nehmen wir an, wir sagen: Menschen sind die Produkte ihrer Umwelt, weil sie von daher gepr\u00e4gt und erzogen werden. Wir erhalten die Beziehung Umwelt ? Mensch.<br \/>\nNun besteht aber der wichtigste Teil der Umwelt jedes Menschen wieder aus Menschen. Selbst die Natur um uns ist vielfach menschlich gepr\u00e4gt. Und schon erhalten wir die Beziehung Mensch ? Umwelt.<br \/>\nWir erhalten damit statt einer Ursache-Wirkungs-Beziehung eine Wechselwirkung. D.h. wir haben nun 2 Knotensch\u00fcre: Von der Umwelt zum Mensch und r\u00fcckw\u00e4rts vom Mensch zur Umwelt.<br \/>\nScheinbar ist das kein Problem, in Wirklichkeit aber doch.<br \/>\nWorin besteht unser Problem ?<br \/>\nKausalketten setzen die Ursache als gegeben und die Wirkung als Resultat. Allgemein k\u00f6nnen wir sagen, dass A als Ursache durch seine Wirkung B in B&#8216; verwandelt. Wenn wir nun aber zur Wechselwirkung \u00fcbergehen, dann ist A nicht mehr nur Ursache, sondern zugleich Wirkung, d.h. A geht \u00fcber in A&#8216;. Damit erhalten wir aber ein Problem: Ist nun A oder A&#8216; Ursache ? Und wird damit B zu B&#8216; oder zu B&#8220; ? Und je nachdem welches B wir erhalten ist dieses ja auch wieder Ursache von A.<br \/>\nDie Katze bei\u00dft sich damit in den Schwanz.<br \/>\nUnd w\u00e4hrend sich die Katze in den Schwanz gebissen hat, ist unser ganzes sch\u00f6nes logisches Denken perdu. Wechselwirkungen widersetzen sich der Logik, weil sie den Satz von der Identit\u00e4t au\u00dfer Kraft setzen.<br \/>\nNur wenn wir die Tatsache einer Wechselwirkung ignorieren, k\u00f6nnen wir einerseits die Wirkung des Menschen auf die Umwelt und andererseits die Wirkung der Umwelt auf die Menschen untersuchen. Ohne das wir die andere Seite dabei mehr oder weniger ignorieren geht es aber nicht.<br \/>\nWir k\u00f6nnen uns nur dieser Ignoranz bewu\u00dft sein und dann die Seiten wechseln. Das ist z.B. das \u00fcbliche Vorgehen von Marx im Kapital, das Heerscharen gl\u00e4ubiger J\u00fcnger in schiere Verzweiflung gest\u00fcrzt hat.<br \/>\nDamit wird Kausalit\u00e4t aber zu einem Spezialfall: Sie existiert nur in ihrer ganzen Reinheit und Strenge, wenn es keine Wechselwirkung gibt.<br \/>\nWechselwirkungen gibt es aber immer. Und somit ist das Betrachten von Kausalit\u00e4t immer eine Abstraktion vom wirklichen Leben.<br \/>\nEine notwendige und sinnvolle zwar, &#8211; denn sonst bliebe uns nur der allgemeine Satz, dass alles mit allem zusammenh\u00e4ngt und der verwechselt Erkenntnis mit wohlklingendem Rauschen,- aber eben doch eine Abstraktion.<br \/>\nDie Realit\u00e4t geh\u00f6rt den Wechselwirkungen.<br \/>\nUnd damit erhalten wir ein Moment von Unbestimmtheit:<br \/>\nA wirkt auf B und macht es zu B&#8216;.<br \/>\nB wirkt auf A und macht es zu A&#8216;.<br \/>\nDa beides gleichzeitig geschieht, ist damit unbestimmt ob A oder A&#8216; auf B oder B&#8216; wirkt und umgekehrt. Erst wenn man eine Sequenz unterstellt, z.B. in der Form, dass erst A auf B wirken soll und dann B auf A k\u00f6nnen wir ein bestimmtes Resultat angeben.<br \/>\nD.h. aber der Determinismus den wir f\u00fcr die Realit\u00e4t annehmen, hat ein Moment der Unbestimmtheit. Damit erweist sich der Laplacsche D\u00e4mon als nicht existent.<br \/>\nKein Gott kann alle Ursachen wissen, weil erst im Moment des Vollzugs A oder A&#8216; resp. B oder B&#8216; zur Ursache wird.<br \/>\nAuf dieser Unbestimmtheit basiert unsere Freiheit.<br \/>\nAndernfalls g\u00e4be es keine, nur Schicksal.<br \/>\nFreiheit heisst demnach, dass wir uns in einer Wolke von M\u00f6glichkeiten bewegen und aktiv zu beeinflussen versuchen, welche M\u00f6glichkeit zur Wirklichkeit wird.<br \/>\nDass wir dabei auch scheitern, geh\u00f6rt dazu.<br \/>\nDass wir uns dadurch aber nicht abhalten lassen, auch.<br \/>\nDas heisst aber auch, dass Freiheit, Befreiung ein Prozess ist und kein Zustand in dem wir es uns irgendwann gem\u00fctlich machen k\u00f6nnen.<br \/>\nWir werden freier dadurch, dass wir uns neue M\u00f6glichkeiten erarbeiten. Und wir k\u00f6nnen unfreier werden, weil uns Handlungsoptionen weg genommen werden.<br \/>\nEs heisst aber vor allem auch, dass die Behauptung wir seien frei und gleich geboren, eine L\u00fcge ist, wenn auch eine im Verfassungsrang.<br \/>\nAls Baby war unsere einzige M\u00f6glichkeit nach der Mutter zu schreien, dass heisst unsere M\u00f6glichkeiten und damit unsere Freiheit waren sehr beschr\u00e4nkt.<br \/>\nDaf\u00fcr waren wir gleich hilflos, aber nur f\u00fcr den Moment.<br \/>\nDie Unterschiede beginnen danach schon damit, ob unsere Mutter uns schreien h\u00f6rt oder nicht.<br \/>\nDas ist aber l\u00e4ngst nicht alles: Mutter und Vater geben dem Kind ihre Gene mit und damit begr\u00fcnden sie die erste Form der Ungleichheit, Mutter und Vater haben einen sozialen Status und auch den vererben sie und schlie\u00dflich sind da auch noch die silbernen L\u00f6ffel in der Kredenz.<br \/>\nDie Folge von all dem: Spontan wird sich in jeder Gesellschaft mit der Zeit eine Aristokratie ausbilden, die dann im Laufe der Zeit die gesellschaftliche Entwicklung l\u00e4hmt und erstickt.<br \/>\nDass wir frei und gleich sein sollen, ist demnach zu aller erst ein Versprechen, an dessen Erf\u00fcllung wir alle arbeiten m\u00fcssen.<br \/>\nDie Automatismen, die z.B. Libet aufgedeckt hat, stehen diesem Ziel nicht im Weg. Im Gegenteil: Nur wenn die H\u00e4nde selber wissen, wie sie den Ball zu fangen haben, kann der Verstand z.B. des Handballspielers \u00fcber Spielz\u00fcge und Spielstrategie nachdenken.<br \/>\nOder beim Klaviervirtuosen: Gerade weil er die Musik (Noten, Tempi etc.) in seinen Fingern hat, kann ihn sein Verstand dazu bef\u00e4higen dieses St\u00fcck auf eine ganz eigene Art zu interpretieren.&#8220;<\/span><\/span><\/strong><\/strong><\/div>\n<div><strong><strong><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"> <\/span><\/strong><\/strong><\/strong><\/div>\n<div><strong><strong><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"> <\/span><\/strong><\/strong><\/strong><\/div>\n<div><strong><strong><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"> <\/span><\/strong><\/strong><\/strong><\/div>\n<div><strong><strong><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"> <\/span><\/strong><\/strong><\/strong><\/div>\n<p><strong><strong> <\/strong><strong><span style=\"font-size: small; font-family: Verdana-Bold;\"> <\/span><\/strong><\/strong><\/p>\n<p><strong><strong> <\/strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neues Kapitel ist fertig. 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