{"id":186,"date":"2012-05-22T07:14:20","date_gmt":"2012-05-22T06:14:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=186"},"modified":"2012-05-23T06:10:43","modified_gmt":"2012-05-23T05:10:43","slug":"von-den-wirklichen-problemen-wirklicher-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=186","title":{"rendered":"Von den wirklichen Problemen wirklicher Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Die Version 0.53 ist fertig zum Download: <a href='http:\/\/www.walter-altvater.de\/wp-content\/Myschkin_f0.53.pdf'>Myschkin_f0.53<\/a><br \/>\nDie Auseinandersetzung mit der &#8222;Deutschen Ideologie&#8220; macht Fortschritte. Allerdings muss dieser Schatz erst m\u00fchsam aus Lenin-Stalinschem Schutt ausgegraben werden.<br \/>\nEs ist frappierend wie treffend Dostojewskij mit Lebedev, Keller u.a. den &#8222;bolschewistischen Geist&#8220; beschreiben hat !<br \/>\nDie neuen Kapitel:<\/p>\n<p><strong>Von den wirklichen Problemen wirklicher Menschen<\/strong><br \/>\n \u201eDie Althegelianer hatten Alles begriffen, sobald es auf eine Hegelsche logische Kategorie zur\u00fcckgef\u00fchrt war. Die Junghegelianer kritisierten Alles, indem sie ihm religi\u00f6se Vorstellungen unterschoben oder es f\u00fcr theologisch erkl\u00e4rten. Die Junghegelianer stimmen mit den Althegelianern \u00fcberein in dem Glauben an die  Herrschaft der Religion, der Begriffe, des Allgemeinen in der bestehenden Welt. Nur bek\u00e4mpfen die Einen die Herrschaft als Usurpation, welche die Andern als legitim feiern.<br \/>\nDa bei diesen Junghegelianern die Vorstellungen, Gedanken, Begriffe, \u00fcberhaupt die Produkte des von ihnen verselbst\u00e4ndigten Bewu\u00dftseins f\u00fcr die eigentlichen Fesseln der Menschen gelten, gerade wie sie bei den Althegelianern f\u00fcr die wahren Bande der menschlichen Gesellschaft erkl\u00e4rt werden, so versteht es sich, da\u00df die Junghegelianer auch nur gegen diese Illusionen des Bewu\u00dftseins zu k\u00e4mpfen haben. Da nach ihrer Phantasie die Verh\u00e4ltnisse der Menschen, ihr ganzes Tun und Treiben, ihre Fesseln und Schranken Produkte ihres Bewu\u00dftseins sind, so stellen die Junghegelianer konsequenterweise das moralische Postulat an sie, ihr gegenw\u00e4rtiges Bewu\u00dftsein mit dem menschlichen, kritischen oder egoistischen Bewu\u00dftsein zu vertauschen und dadurch ihre Schranken zu beseitigen. Diese Forderung, das Bewu\u00dftsein zu ver\u00e4ndern, l\u00e4uft auf die Forderung hinaus, das Bestehende anders zu interpretieren, d.h. es vermittelst einer andren Interpretation anzuerkennen. Die junghegelschen Ideologen sind trotz ihrer angeblich \u00bbweltersch\u00fctternden\u00ab Phrasen die gr\u00f6\u00dften Konservativen. Die j\u00fcngsten von ihnen haben den richtigen Ausdruck f\u00fcr ihre T\u00e4tigkeit gefunden, wenn sie behaupten, nur gegen \u00bbPhrasen\u00ab zu k\u00e4mpfen. Sie vergessen nur, da\u00df sie diesen Phrasen selbst nichts als Phrasen entgegensetzen, und da\u00df sie die wirkliche bestehende Welt keineswegs bek\u00e4mpfen, wenn sie nur die Phrasen dieser Welt bek\u00e4mpfen.\u201c<br \/>\n[Marx: Die deutsche Ideologie. Philosophie von Platon bis Nietzsche, S. 49002- 49003 (vgl. MEW Bd. 3, S. 19-20) http:\/\/www.digitale-bibliothek.de\/band2.htm ] <\/p>\n<p>\u201eDiese Forderung, das Bewu\u00dftsein zu ver\u00e4ndern, l\u00e4uft auf die Forderung hinaus, das Bestehende anders zu interpretieren, d.h. es vermittelst einer andren Interpretation anzuerkennen.\u201c hei\u00dft es. Und man erkennt unschwer, dass dies der gleiche Gedanke ist, der in den \u201eThesen zu Feuerbach\u201c folgendermassen ausgedr\u00fcckt wird:<br \/>\n \u201eDie Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es k\u00f6mmt drauf an, sie zu ver\u00e4ndern.\u201c<br \/>\n[Marx: Thesen \u00fcber Feuerbach. Philosophie von Platon bis Nietzsche, S. 48555<br \/>\n(vgl. MEW Bd. 3, S. 7) http:\/\/www.digitale-bibliothek.de\/band2.htm ] <\/p>\n<p>Daran erkennt man aber auch, dass Adorno Unsinn schreibt, wenn er seine \u201eNegative Dialektik\u201c so beginnt:<\/p>\n<p>\u201ePhilosophie, die einmal \u00fcberholt schien, erh\u00e4lt sich am Leben, weil der Augenblick ihrer Verwirklichung vers\u00e4umt ward. Das summarische Urteil, sie habe die Welt blo\u00df interpretiert, sei durch Resignation vor der Realit\u00e4t verkr\u00fcppelt auch in sich, wird zum Defaitismus der Vernunft, nachdem die Ver\u00e4nderung der Welt mi\u00dflang. Sie gew\u00e4hrt keinen Ort, von dem aus Theorie als solche des Anachronistischen, dessen sie nach wie vor verd\u00e4chtig ist, konkret zu \u00fcberf\u00fchren w\u00e4re. Vielleicht langte die Interpretation nicht zu, die den praktischen \u00dcbergang verhie\u00df. Der Augenblick, an dem die Kritik der Theorie hing, l\u00e4\u00dft nicht theoretisch sich prolongieren. Praxis, auf unabsehbare Zeit vertagt, ist nicht mehr die Einspruchsinstanz gegen selbstzufriedene Spekulation, sondern meist der Vorwand, unter dem Exekutiven den kritischen Gedanken als eitel abzuw\u00fcrgen, dessen ver\u00e4ndernde Praxis bed\u00fcrfte. Nachdem Philosophie das Versprechen, sie sei eins mit der Wirklichkeit oder st\u00fcnde unmittelbar vor deren Herstellung, brach, ist sie gen\u00f6tigt, sich selber r\u00fccksichtslos zu kritisieren.\u201c<br \/>\n[Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Einleitung. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 2830 (vgl. GS 6, S. 15)<br \/>\nhttp:\/\/www.digitale-bibliothek.de\/band97.htm ] <\/p>\n<p>Was Adorno nicht versteht: Es ging bei der Feuerbach-Kritik von Marx und Engels nie um die Verabschiedung von Theorie zugunsten von Praxis.<br \/>\nEs ging darum, sich von ideologischen Nebelbildungen ohne Bezug zum wirklichen Leben wirklicher Menschen zu verabschieden.<br \/>\nDiese Art von Philosophie ist und bleibt \u00fcberholt.<br \/>\nIm \u00fcbrigen ist es reichlich vermessen angesichts der riesigen Ver\u00e4nderungen, die die letzten 200 Jahre der Welt gebracht haben, Ver\u00e4nderungen, die ja erkennbar noch lange nicht an ihr Ende gekommen sind, zu postulieren:<br \/>\n\u201eDas summarische Urteil, sie habe die Welt blo\u00df interpretiert, sei durch Resignation vor der Realit\u00e4t verkr\u00fcppelt auch in sich, wird zum Defaitismus der Vernunft, nachdem die Ver\u00e4nderung der Welt mi\u00dflang.\u201c<br \/>\nIn den letzten 200 Jahren hat sich die Welt von Generation zu Generation so grundlegend ver\u00e4ndert, dass die Behauptung \u201edie Ver\u00e4nderung der Welt mi\u00dflang\u201c schon n\u00e4her begr\u00fcndet werden m\u00fcsste.<br \/>\nUnd auch wenn nicht alles zum Besseren geworden ist, ist das Geschw\u00e4tz von der \u201eguten alten Zeit\u201c doch reichlich abgeschmackt und ahnungslos, wenn man die Lebensrealit\u00e4t z.B. des Durchschnittsdeutschen von heute mit der z.B. des beginnenden 18 Jahrhunderts vergleicht.<br \/>\nDass die Welt, wie sie ist, noch weit davon entfernt ist, so zu sein, wie wir es w\u00fcnschen, ist kein \u201eMi\u00dflingen\u201c von Ver\u00e4nderung, sondern nur ein Nachweis daf\u00fcr, dass die grundlegende Ver\u00e4nderung der Welt, die Etablierung der Freundlichkeit, des Mitleidens aber auch Mitfreuens als Prinzip, kein Ein-Generationen-Projekt war und ist.<br \/>\nJede Generation, die neu antritt, hat das Recht zu glauben, dass sie das Werk der Befreiung vollenden wird.<br \/>\nKeine Generation, die abtritt, und dieses Werk noch nicht vollendet hat, hat das Recht zu resignieren, weil die Befreiung nicht zur G\u00e4nze gelang.<br \/>\nJede Generation hat die Pflicht so viele Schritte zu gehen wie ihr m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Die Absage, die Marx den Philosophen erteilt, bezieht sich darauf, dass diese Philosophen mit Ideen gegen Ideen k\u00e4mpfen statt die Realit\u00e4t in den Blick zu nehmen und zu einem vertieften Verst\u00e4ndnis dieser Realit\u00e4t bei zu tragen.<\/p>\n<p>Die Absage ist auch eine Absage an das Denken, das die Wahrheit im Allgemeinen sucht.<br \/>\nW\u00e4hrend aber Adorno bis an sein Lebensende gebraucht hat um zu verstehen, dass es nur die Wahrheit des Besonderen, Einzelnen gibt, dass Abstraktionen blo\u00dfe Hilfsmittel des Denkens sind, denen keine eigene Wahrheit zu kommt, ist genau dies der Startpunkt f\u00fcr die Beiden. <\/p>\n<p> \u201eDie Voraussetzungen, mit denen wir beginnen, sind keine willk\u00fcrlichen, keine Dogmen, es sind wirkliche Voraussetzungen, von denen man nur in der Einbildung abstrahieren kann. Es sind die wirklichen Individuen, ihre Aktion und ihre materiellen Lebensbedingungen, sowohl die vorgefundenen wie die durch ihre eigne Aktion erzeugten. Diese Voraussetzungen sind also auf rein empirischem Wege konstatierbar.<br \/>\nDie erste Voraussetzung aller Menschengeschichte ist nat\u00fcrlich die Existenz lebendiger menschlicher Individuen. Der erste zu konstatierende Tatbestand ist also die k\u00f6rperliche Organisation dieser Individuen und ihr dadurch gegebenes Verh\u00e4ltnis zur \u00fcbrigen Natur. Wir k\u00f6nnen hier nat\u00fcrlich weder auf die physische Beschaffenheit der Menschen selbst noch auf die von den Menschen vorgefundenen Naturbedingungen, die geologischen, orohydrographischen, klimatischen und andern Verh\u00e4ltnisse, eingehen. Alle Geschichtschreibung mu\u00df von diesen nat\u00fcrlichen Grundlagen und ihrer Modifikation im Lauf der Geschichte durch die Aktion der Menschen ausgehen.<br \/>\nMan kann die Menschen durch das Bewu\u00dftsein, durch die Religion, durch was man sonst will, von den Tieren unterscheiden. Sie selbst fangen an, sich von den Tieren zu unterscheiden, sobald sie anfangen, ihre Lebensmittel zu produzieren, ein Schritt, der durch ihre k\u00f6rperliche Organisation bedingt ist. Indem die Menschen ihre Lebensmittel produzieren, produzieren sie indirekt ihr materielles Leben selbst.<br \/>\nDie Weise, in der die Menschen ihre Lebensmittel produzieren, h\u00e4ngt zun\u00e4chst von der Beschaffenheit der vorgefundenen und zu reproduzierenden Lebensmittel selbst ab. Diese Weise der Produktion ist nicht blo\u00df nach der Seite hin zu betrachten, da\u00df sie die Reproduktion der physischen Existenz der Individuen ist. Sie ist vielmehr schon eine bestimmte Art der T\u00e4tigkeit dieser Individuen, eine bestimmte Art, ihr Leben zu \u00e4u\u00dfern, eine bestimmte Lebensweise derselben. Wie die Individuen ihr Leben \u00e4u\u00dfern, so sind sie. Was sie sind, f\u00e4llt also zusammen mit ihrer Produktion, sowohl damit, was sie produzieren, als auch damit, wie sie produzieren. Was die Individuen also sind, das h\u00e4ngt ab von den materiellen Bedingungen ihrer Produktion.<br \/>\nDiese Produktion tritt erst ein mit der Vermehrung der Bev\u00f6lkerung. Sie setzt selbst wieder einen Verkehr der Individuen untereinander voraus. Die Form dieses Verkehrs ist wieder durch die Produktion bedingt.\u201c<br \/>\n[Marx: Die deutsche Ideologie. Philosophie von Platon bis Nietzsche, S. 49004 \u2013 49006 (vgl. MEW Bd. 3, S. 20-21) http:\/\/www.digitale-bibliothek.de\/band2.htm ] <\/p>\n<p>Es ist ein hoher Anspruch, den sie stellen und dem sie sich stellen: Es soll um die wirklichen Probleme wirklicher Menschen gehen und nicht um irgendwelche \u201eGespenster\u201c, irgendwelche Ideen, denen diese Menschen unterworfen sind oder sich unterwerfen sollen.<br \/>\nDie wirklichen Probleme wirklicher Menschen beginnen aber mit dem Essen und Trinken und damit wie man sich dieses beschaffen kann. Sie beginnen damit, aber sie enden damit nicht. Wir wollen nicht allein sein, wir wollen geliebt werden, mit allen Facetten, die Liebe haben kann und wir sorgen auch f\u00fcr andere, Kinder und \u00c4ltere zumal.<br \/>\nWie wir uns die Mittel zum t\u00e4glichen Leben beschaffen ist dabei das zentrale Problem jedes wirklichen Menschen. Und die verschiedenen Formen der gesellschaftlichen Kooperation, aber auch der \u00dcber- und Unterordnung, von Herrschaft und Knechtschaft sind pr\u00e4gend f\u00fcr uns und f\u00fcr unsere ganze Existenz.<br \/>\nVor diesen Realit\u00e4ten blamiert sich jede hehre Idee.<\/p>\n<p><strong>Der Mythos Proletariat<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Idee eines Proletariats, das sich f\u00fcr die Befreiung der Menschheit opfert, ist eine solche hehre Idee.<br \/>\nEs ist ein zentraler Widerspruch im Denken von Marx und Engels, dass ihre konsequente Absage an alle hehren Ziele und Ideale, ihre konsequente Hinwendung zu den wirklichen Menschen und ihren wirklichen Interessen ausgerechnet die abgeschmackteste Hegelsche Idee, n\u00e4mlich die vom irdischen Jammertal, von der Geschichte als Golgatha und der Erl\u00f6sung durch die Geistwerdung, d.h. durch das Aufgehen im Weltgeist, das ausgerechnet diese Idee in beider Denken \u00fcberlebt hat. Leicht s\u00e4kularisiert zwar, mit dem Proletariat als Erl\u00f6ser und dem Aufstieg eben diesen Proletariats aus den Niederungen einer unmenschlichen Existenz zu den H\u00f6hen des wahren Menschseins.<br \/>\nDas Proletariat als Idee, als Erl\u00f6ser hat Generationen von Intellektuellen den Blick auf das wirkliche Proletariat, so wie es leibt, lebt und liebt konsequent verstellt. An seine Stelle ist ein Mythos getreten.<br \/>\nDabei ist es ja nicht so, dass wir bzw. unsere Vorfahren in den letzten 150 Jahren nicht Teil eines weltweiten revolution\u00e4ren Prozesses gewesen w\u00e4ren, bei dem bis heute kein Stein auf dem anderen blieb und von dem wir wissen, dass er bei Strafe unseres sonstigen Untergangs noch weiter gehen muss, bis wir mit uns selbst, aber auch mit unserer Mutter Erde vers\u00f6hnt sind.<br \/>\nIn diesem Prozess gibt es allerdings keinen Heiland. Auch keinen Heiland namens \u201eProletariat\u201c. Wie viel Heil oder Unheil auf unsere H\u00e4upter kommt, ist Folge gemeinsamer Tat oder Untat.<br \/>\nDie Idee des Proletariats und seiner \u201eMission\u201c wurde in diesem Prozess die zentrale Einfallspforte f\u00fcr idealistisches Gew\u00e4sch, f\u00fcr eine Ideologie, die dem konkreten Proletarier seinen konkreten Anspruch auf ein m\u00f6glicherweise nur kleines Gl\u00fcck im Namen der \u201egro\u00dfen Sache\u201c abspricht.<br \/>\nSie wurde zur Einfallspforte f\u00fcr alle Arten reaktion\u00e4rer Ideologien.<br \/>\nWir sollten uns endlich fragen, welchen Interessen diese Ideologien tats\u00e4chlich gedient haben.<\/p>\n<p><strong>Das Konzept der zwei Revolutionen<\/strong><br \/>\n\u201eDie Bourgeoisie hat in der Geschichte eine h\u00f6chst revolution\u00e4re Rolle gespielt.<br \/>\nDie Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verh\u00e4ltnisse zerst\u00f6rt. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen nat\u00fcrlichen Vorgesetzten kn\u00fcpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch \u00fcbriggelassen als das nackte Interesse, als die gef\u00fchllose \u00bbbare Zahlung\u00ab. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schw\u00e4rmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spie\u00dfb\u00fcrgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertr\u00e4nkt. Sie hat die pers\u00f6nliche W\u00fcrde in den Tauschwert aufgel\u00f6st und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religi\u00f6sen und politischen Illusionen verh\u00fcllten Ausbeutung die offene, unversch\u00e4mte, direkte, d\u00fcrre Ausbeutung gesetzt.<br \/>\nDie Bourgeoisie hat alle bisher ehrw\u00fcrdigen und mit frommer Scheu betrachteten T\u00e4tigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.<br \/>\nDie Bourgeoisie hat dem Familienverh\u00e4ltnis seinen r\u00fchrend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverh\u00e4ltnis zur\u00fcckgef\u00fchrt.<br \/>\nDie Bourgeoisie hat enth\u00fcllt, wie die brutale Kraft\u00e4u\u00dferung, die die Reaktion so sehr am Mittelalter bewundert, in der tr\u00e4gsten B\u00e4renh\u00e4uterei ihre passende Erg\u00e4nzung fand. Erst sie hat bewiesen, was die T\u00e4tigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als \u00e4gyptische Pyramiden, r\u00f6mische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat ganz andere Z\u00fcge ausgef\u00fchrt als V\u00f6lkerwanderungen und Kreuzz\u00fcge.<br \/>\nDie Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverh\u00e4ltnisse, also s\u00e4mtliche gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse fortw\u00e4hrend zu revolutionieren. Unver\u00e4nderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller fr\u00fcheren industriellen Klassen. Die fortw\u00e4hrende Umw\u00e4lzung der Produktion, die ununterbrochene Ersch\u00fctterung aller gesellschaftlichen Zust\u00e4nde, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verh\u00e4ltnisse mit ihrem Gefolge von altehrw\u00fcrdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgel\u00f6st, alle neugebildeten veralten, ehe sie verkn\u00f6chern k\u00f6nnen. Alles St\u00e4ndische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit n\u00fcchternen Augen anzusehen.<br \/>\nDas Bed\u00fcrfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz f\u00fcr ihre Produkte jagt die Bourgeoisie \u00fcber die ganze Erdkugel. \u00dcberall mu\u00df sie sich einnisten, \u00fcberall anbauen, \u00fcberall Verbindungen herstellen.<br \/>\nDie Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller L\u00e4nder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum gro\u00dfen Bedauern der Reaktion\u00e4re den nationalen Boden der Industrie unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch t\u00e4glich vernichtet. Sie werden verdr\u00e4ngt durch neue Industrien, deren Einf\u00fchrung eine Lebensfrage f\u00fcr alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angeh\u00f6rige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bed\u00fcrfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten L\u00e4nder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgen\u00fcgsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abh\u00e4ngigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschr\u00e4nktheit wird mehr und mehr unm\u00f6glich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.<br \/>\nDie Bourgeoisie rei\u00dft durch die rasche Verbesserung aller Produktions\u00adinstru\u00admente, durch die unendlich erleichterten Kommunikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schie\u00dft, mit der sie den hartn\u00e4ckigsten Fremdenha\u00df der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehn wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuf\u00fchren, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.<br \/>\n[Marx: Manifest der kommunistischen Partei. Philosophie von Platon bis Nietzsche, S. 50062 -50066 (vgl. MEW Bd. 4, S. 464-466)<br \/>\nhttp:\/\/www.digitale-bibliothek.de\/band2.htm ] <\/p>\n<p>\u201e ..sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.\u201c Und diese Welt ist die notwendige Voraussetzung daf\u00fcr, dass danach folgende revolution\u00e4re Ver\u00e4nderungen schlie\u00dflich eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung hervorbringen.<br \/>\nEine antikapitalistische Einheitsfront, bei der sich russische B\u00fcrokraten, chinesische Mandarine, deutscher Adel des Bodens und des Geistes und andere Repr\u00e4sentanten feudaler Vergangenheit mit den Arbeitern gegen die Kr\u00e4merseelen (wobei das Adjektiv \u201ej\u00fcdisch\u201c nie weit ist) verb\u00fcnden, war nie ihr Ziel.<br \/>\nIm Gegenteil: Dieses seltsame Klassenb\u00fcndnis war in ihren Augen die Verk\u00f6rperung der Konterrevolution.<br \/>\nRosa Luxemburgs Ausruf \u201eWir sind wieder bei Marx !\u201c auf dem Gr\u00fcndungskongre\u00df der KPD war ein tragischer Irrtum.<br \/>\nDer Kommunismus, so wie er sich im 20 Jahrhundert etablierte, hatte nicht mehr das prim\u00e4re Ziel den Kapitalismus zu \u00fcberwinden. Es ging vielmehr darum ihn in L\u00e4ndern wie Ru\u00dfland oder China gar nicht erst entstehen zu lassen.<br \/>\nUnd hinter der sozialistischen Maske, der Maske des \u201eArbeiterf\u00fchrers\u201c, verbargen sich nur die alten Herrenschichten, die vor allem gegen ihren ansonsten sicheren Untergang k\u00e4mpften.<br \/>\nEin Untergang, der weniger durch Panzer und Kanonen herbeigef\u00fchrt wird als durch die best\u00e4ndige Maulwurfst\u00e4tigkeit von Handel und Wandel.<br \/>\nUnd so stehen wir am Ende des 20. und am Beginn des 21.Jahrhunderts vor der durch und durch paradoxen Situation, dass eine ganze Reihe untergegangener oder im Untergehen befindlicher feudaler Regimes f\u00fcr Sozialismus bzw. Kommunismus stehen.<br \/>\nIn Syrien oder Nordkorea einschliesslich Vererbung der F\u00fchrungsposition.<br \/>\nDurch diesen Maskenball gerieten auch die h\u00f6chst realen, \u00fcber den Kapitalismus hinaus weisenden Errungenschaften, die in der Diskussion gerne unter den Begriff \u201eSozialstaat\u201c subsummiert werden, in Gefahr und ins Rutschen.<br \/>\nDas wirkliche Proletariat mit seinen wirklichen Problemen hat daher gut daran getan dieser Art von \u201eSozialismus\/Kommunismus\u201c konsequent den R\u00fccken zu kehren. Und der Untergang des Sowjetreiches war daher f\u00fcr seinen Kampf ein Segen.<br \/>\nAllerdings erwiesen sich noch im Untergang die Protagonisten dieses \u201erealen Sozialsmus\u201c als die wirklichen Feinde der arbeitenden Menschen.<br \/>\nDie Einbeziehung der chinesischen Bev\u00f6lkerung in die kapitalistische Welt hat zusammen mit der Computerisierung die Konkurrenz unter der arbeitenden Bev\u00f6lkerung weltweit maximal versch\u00e4rft und das Proletariat in den bisher privilegierten entwickelten L\u00e4ndern muss nun lernen, dass Solidarit\u00e4t mit den Armen und Schwachen dieser Welt auch im Interesse des eigenen Lohns, der eigenen Existenzbedingungen, unverzichtbar ist.<br \/>\nSo vollendeten ausgerechnet die chinesischen Kommunisten den kapitalistischen Weltmarkt und wenn das chinesische Proletariat aus seiner gedr\u00fcckten und unterdr\u00fcckten Stellung heraus kommen soll, dann muss es auch in China die elementaren Rechte der b\u00fcrgerlichen Revolution verwirklichen:<br \/>\nRede-, Diskussions- und Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Koalitionsrecht, das Recht beliebige Parteien zu bilden, freie, gleiche und geheime Wahlen.<br \/>\nMit Hilfe dieser Rechte werden auch die chinesichen Arbeiter und Arbeiterinnen, wie \u00fcberall auf der Welt, ihren Pariastatus \u00fcberwinden k\u00f6nnen.<br \/>\nDas ist der Sinn, der in der \u201eDeutschen Ideologie\u201c verk\u00fcndeten Idee von der proletarischen Revolution als Vollenderin der b\u00fcrgerlichen:<br \/>\nDas Proletariat, das Volk herrscht mittels des Wahlzettels.<br \/>\nDurch die Etablierung demokratischer Verh\u00e4ltnisse werden in der Tat die Massen zur Herrschaft gebracht.<br \/>\nNat\u00fcrlich versuchen zun\u00e4chst die herrschenden und die Wirtschaft kontrollierenden Eliten durch die Kontrolle \u00fcber die ideologische Apparate, durch Einflussnahme im politischen Raum, bis hin zu direkter Korruption, ihre Herrschaft zu erhalten und demokratische Wahlen zum blo\u00dfen Spektakel verkommen zu lassen, nat\u00fcrlich leben die Spuren einer 5000j\u00e4hrigen Unterdr\u00fcckung in unseren Gehirnen und K\u00f6rpern weiter.<br \/>\nVor allem die Unterdr\u00fcckung der Frauen durch ihre M\u00e4nner und die dazu geh\u00f6rige devote, unterw\u00fcrfige Haltung der Frauen ist uns gewisserma\u00dfen fast zur zweiten Natur geworden.<br \/>\nDie Brutalit\u00e4t und R\u00fccksichtslosigkeit, die uns geformt hat, pr\u00e4gt auch unser Verh\u00e4ltnis zur Natur und zu jeglicher Kreatur in ihr.<br \/>\nAber diese M\u00fchen des Wandels sind kein Argument gegen den Wandel.<br \/>\nSie zeigen nur, wie schwierig es ist und welche Anstrengung es kostet die \u00fcber Jahrtausende gewachsene Sklavenmentalit\u00e4t hinter uns zu lassen und Freiheit nicht blo\u00df zu postulieren, sondern tats\u00e4chlich zu leben.<br \/>\nUnsere Welt \u00e4ndert sich jeden Tag und es liegt allein an uns, daf\u00fcr zu sorgen, dass es eine Ver\u00e4nderung zum Besseren wird.<br \/>\nDie b\u00fcrgerliche Revolution schafft mit der Demokratie die Voraussetzungen daf\u00fcr, dass die Gesellschaft im Interesse des Volkes, der gro\u00dfen Mehrheit, ver\u00e4ndert werden kann.<br \/>\nDiese M\u00f6glichkeiten dann auch wirklich zu nutzen, das ist der revolution\u00e4re Prozess in dem wir uns gegenw\u00e4rtig befinden.<br \/>\nZu diesem Prozess geh\u00f6rt auch, dass die parlamentarische Form der Demokratie durch vielf\u00e4ltige Formen direkter Demokratie erg\u00e4nzt werden muss.<br \/>\nDie Hoffnung auf den gro\u00dfen Knall, der alles \u00e4ndert, ist vordemokratisch. Die Erwartung, dass Ver\u00e4nderungen nur im Schneckentempo vor sich gehen, ahnungslos. Demokratische Prozesse k\u00f6nnen langwierig und m\u00fchsam sein, aber wenn eine Mehrheit Ver\u00e4nderungen will, werden sich die Lokomotiven der Geschichte in Bewegung setzen und ein Land, einen Kontinent, die ganze Welt ver\u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Version 0.53 ist fertig zum Download: Myschkin_f0.53 Die Auseinandersetzung mit der &#8222;Deutschen Ideologie&#8220; macht Fortschritte. Allerdings muss dieser Schatz erst m\u00fchsam aus Lenin-Stalinschem Schutt ausgegraben werden. 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