{"id":141,"date":"2012-02-11T22:16:44","date_gmt":"2012-02-11T21:16:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=141"},"modified":"2012-02-11T22:16:44","modified_gmt":"2012-02-11T21:16:44","slug":"ohne-frauen-kein-schmerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.walter-altvater.de\/?p=141","title":{"rendered":"Ohne Frauen kein Schmerz !"},"content":{"rendered":"<p>Es hat etwas gedauert, aber es gab technische Probleme mit der aktuellen Version von Libreoffice.<br \/>\nAuch inhaltlich gab es Probleme: Epikur als Philosoph der Lust hat keine Lust auf Frauen.<br \/>\nDas ist ein Paradox. Und damit interessant.<br \/>\nDas Ergebnis finden sie hier <a href='http:\/\/www.walter-altvater.de\/?attachment_id=149' rel='attachment wp-att-149'>Myschkin f0.50 &#8211; Altvater_ Walter<\/a> <\/p>\n<p>Hier das Kapitel \u00fcber Epikur:<br \/>\n 3. Ohne Frauen kein Schmerz !<\/p>\n<p>Aber auch jene, die den Sinnen den Vorzug gaben unter den Griechen, waren deswegen noch lange keine Freunde der Sinnlichkeit.<br \/>\nSo liest man bei Epikur:<br \/>\n\u201eDenn es sind nicht Trinkgelage und fortgesetzte Feste und auch nicht der Genuss von Knaben und Frauen oder Fischen und das \u00fcbrige Angebot eines reich gedeckten Tischs, was das Leben angenehm macht, sondern die n\u00fcchterne \u00dcberlegung, die die Gr\u00fcnde f\u00fcr jedes W\u00e4hlen und Meiden erforscht und diejenigen Meinungen vertreibt, aufgrund von welchen gr\u00f6\u00dfte Unruhe die Seelen ergreift.\u201c<br \/>\n(Epikur, Ausgew\u00e4hlte Schriften, Brief an Menoikeus, Seite 7, Stuttgart 2010)<br \/>\nEin merkw\u00fcrdiger Text, bei dem Frauen, Knaben und Fische gleicherma\u00dfen unter die Genussmittel eingereiht werden.<br \/>\nWenn ich des Altgriechischen m\u00e4chtig w\u00e4re, w\u00fcrde ich diese Stelle einer n\u00e4heren Betrachtung unterziehen, denn der Zusammenhang zwischen Fischen, Knaben und Frauen erschlie\u00dft sich mir nicht.<br \/>\nDer \u201eBrief an Menoikeus\u201c ist \u00e4hnlich wie z.B. die Briefe des Paulus im christlichen Umfeld, eine Werbeschrift f\u00fcr die eigene Philosophie, hier der epikur\u00e4ischen. Da die meisten Werke Epikurs verloren oder verschollen sind, ist es zugleich eines der wenigen originalen Zeugnisse.<br \/>\nEpikur pl\u00e4diert darin f\u00fcr ein bescheidenes, aber genussvolles Leben.<br \/>\nEr besteht auf der Endlichkeit, auch unserer Seelen und darauf, dass wir unseren Sinnen vertrauen.<br \/>\nDie Lust ist ihm in erster Linie Abwesenheit von Schmerz.<br \/>\nEpikur r\u00e4t sich von L\u00fcsten fern zu halten, bei denen am Ende der Schmerz \u00fcberwiegt. Au\u00dferdem l\u00e4sst sich Lust nicht beliebig steigern. Es macht gro\u00dfen Spa\u00df sich genussvoll satt zu essen. Aber sich zu \u00fcberfressen, macht keinen Spa\u00df. Und die sogenannten raffinierten Gen\u00fcsse bringen, z.B. beim Essen, nicht unbedingt eine wirkliche Steigerung der Lust.<br \/>\nDie zitierte Stelle ist \u00fcbrigens die einzige in dem ganzen Brief, in dem \u00fcberhaupt von Frauen die Rede ist.<br \/>\nEs ist f\u00fcr ihn keine Frage, dass die Liebe zu Frauen nur Schmerz bereitet, jedenfalls mehr Schmerz als Lust:<br \/>\n\u201eKeine Lust ist an sich selbst etwas Schlechtes, aber das, was einige Arten von Lust hervorbringt, erzeugt St\u00f6rungen, die um ein vielfaches gr\u00f6\u00dfer sind als die Empfindungen der Lust.\u201c<br \/>\n(Epikur, Ausgew\u00e4hlte Schriften, Die Hauptlehrs\u00e4tze(Kyriai Doxai), Seite 14, Lehrsatzt VIII Stuttgart 2010)<br \/>\n\u201eSpruch 51<br \/>\nIch erfahre von Dir, dass die Erregung des Fleisches dich im \u00dcberma\u00df zum geschlechtlichen Verkehr dr\u00e4ngt. Wenn du weder Gesetze brichst noch die guten Sitten verletzt, noch einem deiner N\u00e4chsten Schaden zuf\u00fcgst, noch dein eigenes Fleisch aufreibst, noch die notwendigen Dinge vergeudest, dann geh ruhig so, wie du willst, deiner Neigung nach. Freilich ist es nicht machbar, nicht wenigstens gegen eine dieser Bedingungen zu versto\u00dfen; die erotische Vergn\u00fcgung hat n\u00e4mlich noch nie jemandem genutzt, man muss sogar froh sein, wenn sie nicht geschadet hat.\u201c<br \/>\n(Epikur, Ausgew\u00e4hlte Schriften, Die Vatikanische Spruchsammlung (Gono\u00admo\u00adlo\u00adgi\u00adgum Vaticaneum Epicureum, Seite 30, Spruch 51, Stuttgart 2010)<br \/>\nUnmittelbar darauf hei\u00dft es im Spruch 52:<br \/>\n\u201eDie Freundschaft tanzt um die Welt und fordert uns alle auf, aufzuwachen zum Gl\u00fcck.\u201c<br \/>\n(Epikur, Ausgew\u00e4hlte Schriften, Die Vatikanische Spruchsammlung (Gono\u00admo\u00adlo\u00adgi\u00adgum Vaticaneum Epicureum, Seite 30, Spruch 52, Stuttgart 2010)<br \/>\nMan muss, glaube ich, nicht erw\u00e4hnen, dass hier bestimmt nur die Freundschaft unter M\u00e4nnern gemeint sein kann, denn wie soll \u00fcberhaupt eine wahre Freundschaft zwischen Mann und Frau m\u00f6glich sein, bei der nicht wenigstens feine erotische Schwingungen in der Luft sind.<br \/>\nDie beiden Gegenpole Epikur und Plato treffen sich bei der \u201eplatonischen Liebe\u201c. Und vor die T\u00fcr h\u00e4ngen sie gemeinsam ein Schild:<br \/>\n\u201eFrauen und Hunde haben hier keinen Zutritt !!!\u201c<br \/>\n\u00dcbrigens: Ohne Frauen kein Schmerz ist keine \u00dcbersetzung des Bob Marley-Hits \u201eNo woman no cry\u201c, denn im jamikanischen Englisch bedeutet \u201eNo woman no cry\u201c sinngem\u00e4\u00df ins Deutsche \u00fcbertragen: \u201eKomm M\u00e4dchen, weine nicht !\u201c.<br \/>\nBob Marley war halt in einer anderen Kultur zu Hause als der griechisch-r\u00f6misch-christlich-abendl\u00e4ndischen !<br \/>\nUnd die Freundschaft wird erst dann wirklich um die Welt tanzen und uns alle zum Gl\u00fcck aufzuwachen, wenn diese Freundschaft die Frauen und den Eros gleicherma\u00dfen einschlie\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat etwas gedauert, aber es gab technische Probleme mit der aktuellen Version von Libreoffice. Auch inhaltlich gab es Probleme: Epikur als Philosoph der Lust hat keine Lust auf Frauen. 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