Nietzsches Hass auf die „Idioten“

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Das neue Kapitel:
Mancher behauptet von sich, er sei ein grosser Denker, dabei hat er doch nur ein grosses Maul.
Unter diesen Maulhelden ist Nietzsche zweifellos der Grösste.
„Man muß rechtschaffen sein in geistigen Dingen bis zur Härte, um auch nur meinen Ernst, meine Leidenschaft auszuhalten. Man muß geübt sein, auf Bergen zu leben – das erbärmliche Zeitgeschwätz von Politik und Völker-Selbstsucht unter sich zu sehn. Man muß gleichgültig geworden sein, man muß nie fragen, ob die Wahrheit nützt, ob sie einem Verhängnis wird… Eine Vorliebe der Stärke für Fragen, zu denen niemand heute den Mut hat; der Mut zum Verbotenen; die Vorherbestimmung zum Labyrinth. Eine Erfahrung aus sieben Einsamkeiten. Neue Ohren für neue Musik. Neue Augen für das Fernste. Ein neues Gewissen für bisher stumm gebliebene Wahrheiten. Und der Wille zur Ökonomie großen Stils: seine Kraft, seine Begeisterung beisammenbehalten… Die Ehrfurcht vor sich; die Liebe zu sich; die unbedingte Freiheit gegen sich… Wohlan! Das allein sind meine Leser, meine rechten Leser, meine vorherbestimmten Leser: was liegt am Rest? – Der Rest ist bloß die Menschheit. – Man muß der Menschheit überlegen sein durch Kraft, durch Höhe der Seele – durch Verachtung…“
http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Der+Antichrist/Vorwort

Welche Grossmäuligkeit und Schlitzohrigkeit zugleich. Es ist der alte Trick der betrügerischen Schneider vom dem uns Andersen in „Des Kaisers neue Kleider“ erzählt: Wenn ihr mich versteht seid ihr besonders intelligent. Dieser Trick zieht immer, denn die Zahl der Dummköpfe die zur „geistigen Elite“ gezählt werden wollen, obwohl es ihnen an allem mangelt, vor allem an Verstand und Vernunft, ist speziell in Deutschland sehr gross.
Aber gerade wenn man kein Kindskopf ist, muss man eigentlich sehen, dass der Kaiser splitterfasernackt ist.
„2
Was ist gut? – Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht.
Was ist schlecht? – Alles, was aus der Schwäche stammt.
Was ist Glück? – Das Gefühl davon, daß die Macht wächst – daß ein Widerstand überwunden wird.
Nicht Zufriedenheit, sondern mehr Macht; nicht Friede überhaupt [1166] sondern Krieg; nicht Tugend, sondern Tüchtigkeit (Tugend im Renaissance-Stile, virtù, moralinfreie Tugend).
Die Schwachen und Mißratenen sollen zugrunde gehn: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.
Was ist schädlicher als irgendein Laster? – Das Mitleiden der Tat mit allen Mißratnen und Schwachen – das Christentum…“
http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche+Friedrich/Der+Antichrist/1-10
Dieses Geschwätz ist hochgradig gefährlich für jeden und jede die wir einmal Momente der Schwäche erleben können. „Die Schwachen und Mißratenen sollen zugrunde gehen….Und man soll ihnen noch dazu helfen.“
Als Idiot muss man wissen was das heisst. Und niemand kann sagen, Hitler habe Nietzsche missverstanden, als er folgenden „Führerbefehl“ nachträglich auf den 1.9.1939 datierte:
„Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4
Es ist genau das, was Nietzsche fordert:
„Die Schwachen und Mißratenen sollen zugrunde gehn: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.“
Das er selbst in Wirklichkeit ein „Schwacher und Mißratener“ war, macht dabei nichts besser.
Nun hört man oft und oft zurecht, dass Philosphen nicht für Verbrechen, die aus falschen Gedanken resultieren, verantwortlich gemacht werden dürfen.
Hegel, beispielsweise, hat mit seiner „dialektischen Logik“ den Boden bereitet für Stalinsche Willkür.
Seiner Methode der These-Antithese-Synthese wohnt von Haus aus Willkür und Beliebigkeit inne. D.h. seine Methode die Beschränktheit blossen logischen Denkens zu überwinden, ersetzte die Beschränktheit durch Beliebigkeit.
Die Menschen die Opfer eines „dialektischen“ Rechtssystems wurden, bekamen diese Beliebigkeit zu spüren.
Allerdings hat Hegel gross gedacht und gross geirrt.
Und er hat nie zum Massenmord aufgerufen oder ihn gebilligt.
Andere haben seine Denkfehler missbraucht und damit Massenmorde gerechtfertigt.
Nietzsche kann man nicht missverstehen. Sein Mordaufruf ist umiss­verständlich. Und die Euthanasie-Politik der Nazis ist daraus eine zwingende logische Konsequenz.
Nun goutieren viele ja Nietzsche und den „Antichristen“ wegen seiner Religionskritik: Nietzsche, der Tabubrecher, Nietzsche, der endlich sagt, was schon lange mal gesagt werden musste !
Nur was sagt er denn ?
Er wiederholt die einmal gefundene Formel wonach Mitleid angeblich Schwäche sein soll bis zum Erbrechen und übergiesst das ganze dann mit einer stinkenden Jauche aus Antisemitismus, den er aus den allertrübsten Quellen seiner Zeit schöpft.
Überhaupt beweist sein Räsonieren z.B. über den Budhismus vor allem eins:
Den Mangel jeder ernst zu nehmenden Kenntnis.
Oder was soll man sonst zu folgender Sentenz sagen:
„Die Voraussetzung für den Buddhismus ist ein sehr mildes Klima..“ Wo ? In Sri Lanka oder eher im tibetischen Hochland ?
Das Verdikt, dass er über das Christentum spricht, bekommt Epikur und bekommen die Epikureer genauso ab.
Alles was nicht den Maximen unter Absatz 2 folgt ist schlecht. Alles was mitleiden kennt, wird verdammt.
Absatz 2 ist gewissermaßen das Nietzsche Glaubensbekenntnis, sein „Vater unser..“.
Es dies ein Bekenntnis der Dummheit und zur Dummheit, denn die Fähigkeit zum Mitleiden ist die Grundlage jeder Intelligenz sozialer Tiere.
Selbst wenn man berücksichtigt, dass Nietzsche alles was wir heute über Spiegelneuronen wissen, zu seiner Zeit nicht wissen konnte, spricht trotzdem die tiefste Nacht der Unkenntnis aus dieser Sentenz:
„Was ist schädlicher als irgendein Laster? – Das Mitleiden der Tat mit allen Mißratnen und Schwachen – das Christentum…“.
Dass er „Mitleiden“ so umstandslos mit Christentum gleichsetzt, ehrt die Christen. Ob sie dieses Lob immer verdient haben, sei dahin gestellt.
Fakt ist: Unsere Fähigkeit in die Haut unserer Mitmenschen zu schlüpfen zu können, ist die unentbehrliche Basis jeglicher Intelligenz. Wer diese Fähigkeit in sich tötet, tötet seine Vernunft und seinen Verstand.
Weil das so ist, deswegen ist Glück auch nicht „das Gefühl davon, daß die Macht wächst“. Glück ist, wenn ich liebe und geliebt werde. Und Liebe ist, wenn ich meine Freuden und meine Freundlichkeit mit Anderen teilen kann und sie sich dadurch vermehren.
Überhaupt die Macht, sie ist ihm sein Ein und Alles:
„Was ist gut? – Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht.“
Nietzsche vergisst, dass die Macht des Anderen über mich meine Ohnmacht ist.
Natürlich träumt er stattdessen von der Ohnmacht der Anderen.
Er hätte aber besser, statt zu träumen und Kant einen „Idioten“ zu nennen, dessen kategorischen Imperativ studiert. Vielleicht hätte er dann begriffen, dass in einer Gesellschaft, in der alle die Macht für sich und die Ohnmacht der Anderen wollen, am Schluss alle gleich ohnmächtig sind.
Wer selber frei sein und bleiben will, darf Sklaverei nicht dulden.
Wer Sklaverei lobpreist, wie unser angeblich grosser Denker, schmiedet an seinen eigenen Ketten.
So hasst Nietzsche also den Idioten Kant und den Idioten Jesus, hasst Epikur und den „Bauer“ Luther, wir aber, Idioten von Geburt an, fühlen uns wohl in dieser ehrenwerten Gesellschaft und sind stolz darauf Idioten geheissen zu werden.

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7 Kommentare zu Nietzsches Hass auf die „Idioten“

  1. Leser sagt:

    Der Beitrag disqualifiziert sich mit seiner demagogischen Vermengung von Schwachen mit Momenten der Schwäche selbst. Das eine hat mit dem anderen wenig bis nichts zu tun.

    zur folgenden Passage:
    Überhaupt die Macht, sie ist ihm sein Ein und Alles:
    „Was ist gut? – Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht.“
    Nietzsche vergisst, dass die Macht des Anderen über mich meine Ohnmacht ist.
    —————
    Wo steht in diesem Nietzsche-Satz was von Macht über Andere? Nirgendwo. Damit ist natürlich vor allem die Macht von Menschen an und für sich selbst gemeint.

  2. Walter sagt:

    Das ist Unsinn. Nietzsche spricht von Macht und er meint genau die Macht über andere Menschen.
    Im übrigen: Wer so deutlich der Tötung der Schwachen das Wort redet, wie das Nietzsche getan hat, verdient keine Schonung.

  3. Leser sagt:

    Nun ja, in dem Satz steht genau: „Was ist gut? – Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht SELBST IM MENSCHEN erhöht.“
    Nietzsche hat sicher einige andere merkwürdige Sachen geschrieben, aber in diesem Satz schreibt er von Menschenmacht eindeutig als Macht, d.h. von Stärke an sich selbst. Von „über Andere“ steht hier nichts. Damit bewertet er vor allem die Stärke höher als die Schwäche, wogegen von der Enwicklung des Lebens her ja grundsätzlich nichts einzuwenden ist.
    Die Fähigkeit in die Haut von Mitmenschen schlüpfen zu können, sich also in sie hineinversetzen zu können, läuft außerdem nicht zwangsläufig auf Mitleid hinaus. Man kann sich also sehr wohl in Andere hineinversetzen und trotzdem versuchen, sich des Mitleids für sie zu enthalten. Das ist wohl vor allem als eine Unterlassung des Mitleidens zu verstehen und nicht primär als bewußtes Ansinnen, Anderen Leid zuzufügen oder ihnen grundsätzlich Hilfe zu versagen. Nietzsche hat sich gegen das Mitleiden vor allem deswegen gewandt, weil es den Mitleidenden ebenfalls schwächt.

  4. Walter sagt:

    Man darf nicht vergessen, dass alles was Nietzsche sagt auf die 2 Sätze zuläuft:
    „Die Schwachen und Mißratenen sollen zugrunde gehn: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.
    Was ist schädlicher als irgendein Laster? – Das Mitleiden der Tat mit allen Mißratnen und Schwachen – das Christentum…““
    Was vorher kommt dient der Vorbereitung und was danach kommt, der ganze Rest des Antichrist der Illustration des Gesagten.
    Das die Schwachen und Mißratenen getötet werden sollen ist der Kern der von Nietzsche beschworenen Umwertung aller Werte.
    Seine Beschwörung des Willens zur Macht ist eine Beschwörung der Macht über andere z.B. über die „Schwachen und Mißratenen“.
    Wenn Sie sagen, dass bei ihm „andere“ ein Gegenüber nicht vorkommt, haben sie ohne Zweifel recht. Diese „Andere“ haben in seiner Moral keinen Platz, weil es eine Moral des blanken Egoismus ist.
    Deswegen schmäht er ja Kant als „Idioten“ und als „Spinne von Köigsberg“, weil nach Kant nur das moralisch sein kann, was auch dann noch richtig ist, wenn alle es machen.
    Wenn sich aber alle, wie Nietzsche, an der Macht berauschen kann das Resultat nur ein Krieg alles gegen alle sein. Und es ist pure Dummheit zu glauben, dass einem in einer solchen Welt der Sieg gewiss ist.
    Das er dagegen von Selbstbeherrschung schreiben soll, wie Sie aus dem Text herauslesen, kann ich nirgendwo entdecken.
    Es geht ums herrschen, nicht darum sich zu beherrschen.
    Im übrigen ist die Vorstellung über seinen Körper herrschen zu sollen genau so abwegig wie alle anderen Machtfantasien.

  5. Equipment sagt:

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  6. Viele viele Texte von Nietzsche zeigen ihn als Paranoiker, sadistischer Psychopath, misanthrop, misogyn, rassist, verbrecher gegen die Menschlichkeit. Folgen Sie nur die Sentenzen mit dem Stamm „Verbrech-„, „Vernicht-„, „Töt-„, usw., wie Ich gemacht habe in „Nietzsche Verbrecher“, un „Nietzsche rassist“ (web alonsofia.com).
    Source: http://www.nietzschesource.org

  7. Walter sagt:

    Es geht mir weniger darum, was für ein Mensch Nietzsche war. Seine im „Anti-Christ“ dargelegte Philosophie ist asozial. Außerdem faselt er dort ziemlich dummes Zeug.

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